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Die Grabmäler der Könige zu St. Denis.




„Er wird die Sünden der Väter heimsuchen an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied.“ – Eine finstere Drohung des Propheten, vor der sich der Glaube an den ewigen Geist der Liebe und Versöhnung empört. Aber an denen, die hier unten ihre letzte Stätte fanden, ist sie schrecklich in Erfüllung gegangen. Wir brauchen nicht lange in den Reihen der Särge zu suchen, die Frankreichs Schicksal mit inhaltsschweren Inschriften gekennzeichnet hat. Hier Einer, der dem Stahl eines Mörders verfiel, dort ein Anderer, der sein Haupt unter der Guillotine ließ, an Beiden sind die Sünden ihrer Vorfahren heimgesucht worden, Beide, die besten ihres Geschlechts, fielen als schuldlose Sühnopfer für eine große Schuld, – für die Schuld der Könige Frankreichs an seinem Volk. Ist aber das französische Volk selbst so schuldlos? Ja, ist die Frage schon beantwortet, ob es gegen das übrige Europa und die Welt nicht mehr gesündigt hat, als alle seine Könige?

Wahr ist’s, so lange die Könige in Frankreich herrschten, herrschten sie im Kampf gegen die Interessen des Volks und die Rechte der Gewissen und in einem Kampf, der unsägliche Opfer verschlang. Jedoch der Kampf an sich war ein offener. Nur die tausend Akte von Treulosigkeit und Gewalt häuften die größere Schuld auf die Könige. Dagegen erweckten diese Thaten und Unthaten, diese tapfere Vertheidigung von Volks- und Glaubensrechten und die pfaffisch-tückische Vernichtung und Beschimpfung derselben das Gefühl der Theilnahme bei allen Nachbarvölkern und den Geist der Wachsamkeit und des Widerstandes in ähnlichen Richtungen. Im Aufsteigen begriffen war das Streben freieren Gestaltens in Wissenschaft, Staat und Leben, geachtet, anerkannt war der kühne freie Denker, und ein stetig wachsender Einfluß liberaler Ideen auf die öffentlichen Institutionen war nicht bloß der Wunsch des Volks, sondern auch der höheren Stände.

Da fuhr in die schwüle Welt der zerschmetternde Blitz der französischen Revolution, und aus den Trümmern des brennenden Staatsgebäudes stieg die scheußlichste Gestalt der ganzen Weltgeschichte empor: die Schreckensherrschaft der mordenden Freiheit! Mehr als ein halbes Jahrhundert ist über die Blutstätte