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dieser Inquisition des Liberalismus dahingegangen, und noch heute verfolgen die Schatten der vom Richterspruch des französischen Volks Gemordeten jede freisinnige Regung in ganz Europa. Verdächtigt, verachtet, verfolgt ist fortan, was einst das Ziel der Edelsten war. „Schlagt ihn todt, er ist ein Liberaler!“ ward ein Losungswort, das die freiheitsfeindliche Richtung derselben Stände bezeichnete, die früher mit Rousseau geschwärmt und mit Voltaire gelacht hatten. Es gibt keinen zweiten mächtigeren, plötzlicheren und gleich beklagenswerthen Umschwung der ganzen Ideenrichtung eines Zeitalters, als die damalige. Aber wahr ist auch die entsetzliche Ursache: daß diese Verfechter der Volksrechte binnen zwölf Monaten mehr Verbrechen begingen, als die französischen Könige, die Merovinger, Karolinger und Kapetinger, binnen zwölf Jahrhunderten vollbracht hatten! –

„Er wird die Sünden der Väter heimsuchen an den Kindern!“ Blickt hin! Betrachtet Frankreich vom Tage jener Greuel an bis heute! Erkennt ihr die Heimsuchungen des französischen Volks für jene Sünde an der Menschheit? Da folgt auf einander, wie ein Fluch dem andern: der kaiserliche Despotismus mit der gefesselten Presse und umgestürzten Rednerbühne, mit Kerkern, fester als die alte Bastille, und Gerichtshöfen, gehorsamer als die alten Parlamente! Blickt weiter: die Restauration der Bourbons und der Jesuiten, die Kammer von 1815 und ihre Aechtungslisten, das Wiedererstehen des Feudalgeistes, der Uebermuth des Klerus, die Verfolgung der Protestanten, das Auftreten eines neuen Geschlechts von Montfort’s und Dominicus’ im vollen Lichte des neunzehnten Jahrhunderts! Noch weiter: der Beitritt Frankreichs zum heiligen Bunde, der Krieg, den alte Soldaten der dreifarbigen Fahne gegen die spanische Freiheit führen! Noch weiter: zwei neue Revolutionen mit neuen Verbrechen und als einzige Frucht all’ der blutigen Blüthen: – das heutige Frankreich!

Wenn es ein Richterspruch des Schicksals ist: „Wer einmal die Göttin der Freiheit durch Blut und Koth geschleift, für den ist ihre Glorie in Ewigkeit verloren!“ – dann mag der Geist der Menschheit Trauer anlegen für dich und Millionen werden über dich seufzen: Armes Frankreich!


Der heilige Dionysius wanderte gegen Ende des 13. Jahrhunderts von Rom nach dem gallischen Vicus Catulliacus, wo er den Märtyrertod durch Henkershand erlitt. Catulla, eine vorher heidnische Frau, die seinen Leichnam begrub, dann die heilige Genoveva, dann Dagobert I. und zuletzt Pipin und Karl der Große errichteten nach einander Kapellen, Kirchen, Abteien über seinem Grabe. Um die reiche und mächtige Benediktiner-Abtei und aus dem römischen Flecken blühte seit dem 7. Jahrhundert eine Stadt auf, die, nach dem Heiligen,