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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Wohl findet da mancher das Haus nicht mehr, darin er geboren wurde, die Lieben nicht mehr, nach denen er vergeblich jammert. Gruppe um Gruppe trauernder Menschen stehen bald da, bald dort, wo das Unglück seine Maale, die Trümmer seiner Opfer, die blutigen Spuren seines Tritts, hinterlassen hat, und schon willdem verödeten, ausgestorbenen Herzen die Verzweiflung nahen, – da spannt der Ewige seinen Bogen der Gnade am Himmel aus und sendet den Engel der Versöhnung zu den empörten Seelen der von des Schicksals blinder Hand Niedergeworfenen. Der Hauch des wahren Friedens, der stärkenden Ruhe, der ermuthigenden Ordnung kehrt zu den Geistern zurück, und die Versöhnung feiert ihr schönstes Fest im neuen, rüstigen Schaffen und Wiederaufbau des Zerstörten und der Gründung neuer Schöpfungen.
Solche Stürme sind auch die Kriege und die Revolutionen, und die Revolutionskriege sind doppelte, sind zehnfache, sind die verheerendsten Stürme der Menschheit.
So lange der Mensch Waffen führt, hat ihn nichts zu so erbittertem Kampf gereizt, als der Widerstreit der Meinungen auf dem Felde der Politik und des Glaubens. Haß und Verachtung vergiften dann die Waffen, und die Unmenschlichkeit freut sich ihrer Triumphe; aber nur während des Sturms, so lange Zorn und Grimm allein mit den Herzen in der Irre rasen und der Verstand vergeblich nach den Zügeln hascht. Ist aber der Kampf zu Ende, ist der Sieg der einen Partei errungen, Alles, was feindlich widerstand, zu Boden gestreckt und regt sich neben den Todten nichts mehr als das Stöhnen der Verwundeten und das Seufzen der Gefangenen, – dann füllen sich die Kerker mit Unglücklichen, und an den Grenzen ringen Tausende die Hände, die mit dem nackten Leben sich in’s Elend der Verbannung gerettet haben.
So war’s auch in Oesterreich. Wunden bluteten und Thränen flossen auch nach dem Kriege noch lange fort. Doch erschien endlich der Engel der Versöhnung und seine Gnade spannte den Friedensbogen über das weite Reich aus und Blumen sprießen aus der blutgetränkten Au – dort im Prater bei Wien.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 201. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/211&oldid=- (Version vom 30.12.2025)