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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Gösse das Weltmeer auch die unendliche Fülle der Fluth aus,
Tränke Germaniens Schaar alle Gewässer des Rheins:
Nie doch bebten, so lang’ die gewaltige Rechte des Kaisers
Ohne zu wanken, die Welt lenket, die Vesten von Rom!
Also stehen die Eichen des Zeus auf den mächtigen Wurzeln;
Nur das vertrocknete Laub stören die Winde herab.
So besang um Christi Geburt der griechische Dichter Krinagoras „das römische Kaiserreich.“ Nicht fünfhundert Jahre zählte die neue Aera, da war die Eiche des Zeus zersplittert und verfault, und aus dem vertrockneten Laub, das die Winde einst herabgestört hatten, war fruchtbare Erde geworden für neues – Strauchwerk, für das Wäldchen verkrüppelten Gebüsches, welches die rastlos hinein rasenden Stürme von außen und der Wurm, der in Mark und Rinden bohrt, nimmer zum aufstrebenden Gedeihen kommen lassen. Denn das ist, seit den Tagen Theodorichs des Gothen, der über ein großes einiges Italien das letzte Scepter streckte, das politische Bild vom Mutterlande des zertrümmerten römischen Weltreichs.
Dennoch ist es keinem Denkenden gegeben, geringschätzig auf diese Trümmer hinzusehen. So hoch ragt für Ewigkeit selbst diese gefallene Größe, daß sie den Menschen, der sie ganz zu begreifen trachtet, erhebt. Wie in den ehemaligen Provinzen des Römerreichs, welche längst zu selbstständigen Staaten emporwuchsen, deren Machtfülle dem alten Rom nicht mehr weichen würde, jede Spur, jedes Denkmal, jeder Bau der Nothwendigkeit oder der Kunst von Römerhand als ein die ganze Gegend ehrender und sorgsam bewahrter und gepflegter Schmuck gilt, so ist Italien selbst für die Gebildeten aller Kulturvölker der alten Welt das Land der Sehnsucht geworden, und ist es geblieben trotz des politischen Verfalls und der Fäulniß, die das Leben des Volks zerfrißt. Diese Sehnsucht wird nicht erst geweckt durch die lockenden Bilder vom herrlichen Himmel und der wunderschönen
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 204. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/214&oldid=- (Version vom 30.12.2025)