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in ihren heiligen Mauern die einzigen Vertreter von Kunst und Wissenschaft waren, entfalteten diese in Italien ihre höchste Blüthe. Die Schiffe von Venedig und Genua durchfurchten die Meere und trugen einen Marco Polo zu seinen Forschungen. Dante, Petrarca, Boccaccio wurden der Stolz und das Entzücken des ganzen Volks, die Italiener treten als die sinnigsten Erfinder und die kühnsten Entdecker auf. Gioja erfindet um 1300 den Kompaß, die Musik wird durch neue Instrumente bereichert, die Kirchenmusik begründet, zu einer italienischen Malerschule die Bahn gebrochen. Auch die Spielkarten erfindet der Italiener, stellt 1325 zu Venedig den ersten Wechsel aus und baut 1340 die erste Papiermühle. Der Besitz einer Universität oder einer Akademie wird Ehrensache jedes Hofs und jeder freien Stadt. Die in Deutschland erfundene Buchdruckerkunst verdankt Italien die erste großartige Entwickelung und Anwendung. Subiaco, Rom, Venedig und Mailand gründen die ersten italienischen Druckereien, die sich von da bis zum Schluß des 15. Jahrhunderts noch über 40 Städte Italiens ausbreiten. Während dieses ganzen Jahrhunderts ist Florenz die Ehrenstätte des italienischen Geistes durch die Medici. Dort entstehen 1432 die Universität, in Folge der Einwanderung zahlreicher griechischer Gelehrten nach dem Untergang des Byzantinischen Reichs 1464 die griechische Schule und die Platonische Akademie, und 1468 errichtet Lorenzo von Medici die Kunstakademie. Leonardo da Vinci erfindet die Perspektive, Macchiavelli schreibt seine florentinischen Geschichten. Venedig und Genua theilen sich mit der deutschen Hansa in den Welthandel. Italien ist durch Schifffahrt, Handel und Papstthum das reichste Land der Welt geworden, und aus seinem Reichthum sproßt nun seine letzte herrliche Blüthenkrone, die Kunst. Es stürmt förmlich von da an dem Gipfel seines Ruhms und Glücks entgegen, um jenseits den steilsten Abgrund desto tiefer hinab zu stürzen. Zu ein und derselben Zeit rüsteten die Racheengel die Werkzeuge der Strafe für die Zwietracht Italiens im Innern und für die Verbrechen Roms an der Christenheit. Denn während die Genueser Christoph Colombo und Vasco de Gama sowie der Florentiner Amerigo Vespucci durch ihre Entdeckungen neuer Erdtheile und Seewege den Todeskeim in Venedigs und ganz Italiens Handel legten, sang vor den Thüren in Magdeburg und Eisenach ein armer Schüler, der die Alleinmacht Roms über die christliche Welt vernichten und damit die andere Quelle des italienischen Reichthums zur Hälfte verschütten sollte. Noch aber strotzte der Ueberfluß und gestattete dem 16. Jahrhunderte die Ehre der höchsten Kunstblüthe. Nicht nur Ariost und Torquato Tasso gehören ihm an, sondern Raphael, der die römische Malerschule, Correggio, der die lombardische, Michel Angelo, welcher die florentinische, und Titian, welcher die venetianische Schule stiftete. Auch der Erbfeind aller Finsterniß, die periodische Presse, trat 1536 zu Venedig mit der ersten europäischen Zeitung in’s Leben. Das Ende dieser schönen aufsteigenden Zeit des italienischen Geistes bezeichnet die schwarze That des Pfaffenthums an dem großen Galilei. Von da an ragen aus der allgemeinen Versunkenheit