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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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erhabenere Namen gar einzeln, wie Guido Reni und Dominichino im 17. und Metastasio im 18. Jahrhundert. Nur die Musik blieb dem italienischen Ruhme getreu. Alles Andere beugte sich und verlor sich vor Frankreich in Nachahmereien aller Art, oder sank fortan vor der nach jeder Völkerniederlage neu erstarkenden Priesterschaft in den Staub.
Folgt man dem Gange der italienischen Kulturgeschichte von Karl dem Großen bis zu Galilei nicht mit steigender Freude? Wir schauen darin die Ehre des Volks im reinsten Lichte, denn wer diese schauen will, muß die politische wie die Kirchengeschichte, die Thaten der Dynastien und der Geistlichkeit, aus den Jahrbüchern des Lebens und Wirkens der Völker streichen. Wer aber diese Großthaten des Volks zusammenstellt mit den gleichzeitigen Unthaten und Schandthaten der öffentlichen, einheimischen und fremden Gewalten in Italien, den wird Achtung und Bewunderung erfüllen vor einer Nation, die trotz alledem die höchste geistige Höhe zu erklimmen vermochte. – Um so beklagenswerther ist der gegenwärtige Zustand des Volks im größten Theile von Italien, namentlich im Kirchenstaate und in Neapel. Die Intriguen des Auslandes, besonders der französischen Herrsch- und der englischen Gewinnsucht, der geistige und materielle Druck durch die unfähigen einheimischen Lenker und die geistliche Allgewalt der Priesterschaft sind auf die staatliche Entwickelung, auf die Literatur und auf das gesammte Volksleben von vorherrschendem Einfluß geblieben, und hauptsächlich dem letzteren Einfluß verdanken die italienischen Hochschulen das unerquickliche Bild, das sie, besonders den Universitäten Deutschlands, Englands und des germanischen Nordens gegenüber, zur Schau stellen.
Eine Ausnahme von dieser traurigen Regel macht Padua, unter den zwanzig Universitäten Italiens noch heute die vorzüglichste und die besuchteste. Kaiser Friedrich II. stiftete sie im Jahre 1221. Im 16. und 17. Jahrhundert zählte sie oft gegen 8000 Studenten, im Jahre 1842 immer noch 1800 bei 57 Professoren. In Folge der Theilnahme der akademischen Bürger an dem Februaraufstande 1848 wurde die Universität geschlossen und erst im Jahre 1850 wieder eröffnet. Die Einrichtungen, Anstalten und Sammlungen derselben kommen an Trefflichkeit und Reichthum den entsprechenden der größeren deutschen Hochschulen nahe; die medicinische Fakultät ist die vorzüglichste Italiens und zeichnet sich noch durch das besondere Recht aus, daß sie nicht bloß protestantischen Ausländern, sondern auch Juden und Türken den Doktorhut ertheilen darf. Die Sternwarte befindet sich auf dem 130 Fuß hohen Thurm des alten Schlosses, in welchem einst Ezzelino, der berüchtigte Tyrann von Padua, seine Verbrechen büßte. Die öffentlichen Bibliotheken der Stadt umfassen über 180,000 Bände. Das Universitätsgebäude, wunderlicher Weise Palazzo del Bo (Ochsenpalast) genannt, nach Einigen von Palladio, rach Andern von Sansovino erbaut, ist eines der schönsten und prächtigsten Italiens.
Virgilius, der römische Epiker, schreibt die Gründung von Padua dem trojanischen Helden Antenor und
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 207. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/217&oldid=- (Version vom 30.12.2025)