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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Wer ist wohl das Bürschchen, das, den Ranzen auf dem Rücken, den Stecken in der Hand, zu Fuß dort den Rhein entlang wandert, das Fährgeld für die Markt- und Frachtschiffe des Stromes sparend? Man sieht es den Schuhen, die er auf dem Ränzel trägt, an, daß die Füße noch hineinwachsen sollen, und weil er barfüßig geht, erkennt man es genau, daß seine letzten Kinderschuhe daheim noch nicht zerrissen sind. Trotzdem tritt er fast keck auf, und es geschieht nicht ohne stolzes Augenleuchten, wenn er die Leute auf der Landstraße fragt: „Saget, wohin geht der Weg nach London?“ Aber er findet seinen Weg selbst bis an die Küste und auf ein Schiff. Und wie sie in London am Thore nach seinem Namen fragen, antwortet er: „Ich bin der Johann Jakob Astor von Walddorf in der Pfalz am Rhein.“
Das ist der Anfang eines Mannes, der vierzig Jahre später der oberste Millionär Newyorks war, dessen Schiffe alle Meere befuhren.
Astor hatte von daheim ein kleines Vermögen mitgebracht, dem er jeden Pfennig seines saueren Verdienstes zulegte. Aber die Ahnung, die schon den Knaben erfüllt und die ihn so früh in die Fremde getrieben hatte, die Ahnung, daß er einst ein sehr reicher Mann werden solle, wollte in London nicht in Erfüllung gehen. Deshalb bestieg er, nach sechs- bis siebenjährigem Aufenthalt in England, ein anderes Schiff, das ihn nach Baltimore in Nordamerika trug. Der etwa zwanzigjährige junge Mann hatte für einen großen Theil seiner Baarschaft Waaren angekauft, von denen er sich einen vortheilhaften Handel versprach. Den Rest des Vermögens in der Tasche und voll Vertrauen, daß seine Knaben-Ahnung zur Wahrheit werden müsse, so schwamm er dahin, auch „ein Cäsar und sein Glück.“ –
Wie klug Astor schon damals sein Glück mit dem Verstand festzuhalten wußte, zeigte er sowohl in der Wahl der Zeit seiner ersten Handelsreise nach Amerika, als in der weisen Benutzung des Fingerzeigs, den ihm die Jahreszeit gab, zu welcher er in der Chesapeakebai ankam. Erst im November 1783, nachdem der nordamerikanische Befreiungskrieg vorüber und der Friede mit England geschlossen war, bestieg er das Schiff, mit dem er in der grimmigsten Kälte des Januar 1784 fast drei Monate vor Hampton Roads im Eise stak. War durch den Friedensschluß eine wahrhafte Freudigkeit der Bewegung in alle Geschäfte gefahren, die jedem Unternehmen Heil
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 209. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/219&oldid=- (Version vom 30.12.2025)