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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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verkündete, so wies die Winterstrenge unseren Astor von selbst auf die Wichtigkeit des Pelzhandels hin. Ein Landsmann wurde sein Führer auf den ersten Wegen des neuen Geschäfts. Für den gewinnreichen Erlös seiner Waaren versah Astor sich in Newyork mit einer guten Auswahl von Pelzen, mit denen er mit erster Gelegenheit wieder nach London fuhr. Das Geschäft entsprach seiner Berechnung, und noch in demselben Jahre kehrte er nach Amerika zurück mit dem Entschluß, sich fortan ganz dem Pelzhandel zu widmen. Die Pforte zum Mammon war entdeckt; ein Astor konnte nicht zögern, sie aufzuschließen.
Der Pelzhandel konnte damals noch kein geregelter Geschäftszweig in Nordamerika sein, weil die alten kanadischen Pelzkompagnien, namentlich aber die mächtige Mackinaw-Kompagnie, jede direkte Verbindung der Amerikaner mit den Indianern mit allen Kräften zu verhindern suchten. Indeß waren Astor durch glückliche Unternehmungen die Flügel bereits gewachsen zu höherem Flug, obwohl er diesen erst 1809 beginnen konnte. In diesem Jahre wirkte er sich von der Regierung des Staats Newyork das Privilegium zur Gründung einer „Amerikanischen Gesellschaft für den Pelzhandel“ aus. Das Einlagekapital war zu 1 Million Dollars festgesetzt, sollte aber bis auf 2 Millionen erhöht werden können. Diese „Gesellschaft“ war – Astor allein. Die Firma war ihm in der That nur ein Schild für das Publikum. Nach diesem ersten Sieg über seine Nebenbuhler geschah der zweite, für immer entscheidende: im Einverständniß mit einigen Aktionären der ihm günstigeren Nordwestkompagnie kaufte Astor sämmtliche Aktien der Mackinaw-Kompagnie auf und verschmolz diese mit seiner „Amerikanischen Gesellschaft“ zu einer „Südwestkompagnie“. Von da an steht Astor unter den Größen der Union, und nur Großes beherrscht sein Wille. Seine Schiffe trugen vom oberen Missouri seine Waaren nach New-Orleans, dort befrachteten sich Seeschiffe damit und fuhren nach Europa und bis nach China, heimwärts mit den Gegenständen des Baratthandels die Räume füllend. Und all’ diese kolossalen, weltumlaufenden Geschäfte leitete Astor in Newyork von seiner einfachen Schreibstube aus mit deutscher Ruhe und Ordnung und mitten zwischen Millionen mit der Sparsamkeit des Anfängers.
Nur ein Unternehmen ist dem immer glücklichen Mann nicht gelungen: es war für seine Zeit selbst in Nordamerika noch zu groß. Er wollte nämlich von St. Louis aus durch die Indianergebiete bis zum Columbiastrom feste Handelsstationen gründen, an der Mündung des Stroms ein Fort zum Schutz einer Kolonie errichten und diese mit Newyork durch eine geregelte Schifffahrt um die Südspitze Amerika’s herum in ununterbrochene Verbindung bringen. Dieses geniale Netz von Plänen zerriß der englisch-amerikanische Krieg von 1812. Der großartige Gedanke fand seinen Lohn nur in dem Ruhme, der durch die ohne Zweifel glänzende Zukunft von Astoria, als dem ersten von Astor gesetzten Markstein der friedlichen Eroberung Oregons durch die Union und
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 212. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/222&oldid=- (Version vom 30.12.2025)