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Bau ihren Tod. – Der Strom hat in seiner grauenvollen Tiefe das Gestein so ausgehöhlt, sich so tief hineingefressen, daß sein immer donnernder Gang an einzelnen Wegstellen nicht einmal zu hören ist. Da, wo er auf kurze Strecken dem Auge sichtbar wird, erscheint er, wie seine Arbeit und seine Umgebung es bedingt, bald unheimlich dunkelgrün, bald stahlgrau und bald ganz zu Schaum und Gischt zerpeitscht. Und will auf diesem Pfade des Grauens der Blick aus dem schwindelnden Schlunde sich zum blauen Himmel erheben, so sieht er zu seiner Rechten und Linken die Felsenwände senkrecht, ja überhängend noch Hunderte von Fußen emporstarren, die ihm vom Himmel nur einen schmalen Streifen, aber damit gerade genug schauen lassen, um die Sehnsucht nach einem freien Ausblick erst recht lebendig zu machen. Ungefähr 500 Schritte hinter der letzten dieser Brücken erweitert sich die Schlucht ein wenig und wir kommen an einigen Häusern des Dorfs Rongella vorüber. Hier sehen wir den Rhein endlich wieder. „Flüchtig und heulend stürzt er hervor, als flöhe er vor den Schrecken dieser Einöde entsetzt davon, um in dem reizenden Thale von Thusis auszuruhen.“ Die Straße windet sich von da links an der Felswand steil hinan, eilt durch eine Gallerie, welche in einer Höhe von 300 Fuß über dem Rhein durch den senkrechten Felsenvorsprung gehauen werden mußte, und nähert sich, endlich den tröstlichen Blick auf das lachende Thusis gewährend, den beiden Riesenwächtern des verlorenen Lochs. So heißt dieser letzte Theil der Schlucht von Rongella an. Die Riesenwächter aber sind der 600 Fuß hoch senkrecht aufsteigende Fels der Burg von Hohenrhätien und sein Nachbar gegenüber am Piz Beverin.

Der Gegenstand unseres Bildes ist die mittlere der Viamalabrücken. Die Höhe ihres Bogens über den gewöhnlichen Wasserstand des Rheins beträgt 480 Fuß. Deshalb gilt sie für die höchste Brücke Europa’s. Ihr zunächst stehen die Brücke von Ronda über den Guadiaro im spanischen Königreich Granada, die Albulabrücke bei Solis, die Teufels- und die Pantenbrücke. Das Ueberschwemmungsjahr 1834 hatte den Rhein so angeschwellt, daß, trotz der ungeheueren Höhe der Brücke, der Schaum der wüthenden Fluthen bis an ihren Bogen emporspritzte.

In Thusis, wo der keuchende Rhein aus seinem Höllenthore hervortritt, um, mit Nolla und Albula fröhlich verbunden, die ersten Spuren eines gesetzteren, großartigen Lebenswandels zu zeigen, indem er sich zum Floßtragen rüstet und schon stattliche Inseln bildet, in Thusis steht der Wanderer am Fuß des schönsten Bergs der Welt, des Heinzenbergs, an welchem der erste Rheinwein wächst. Dies, nicht die 22 Dörfer und 20 Burgen und Ruinen des Domleschgerthals, zwingt uns, hier den Schluß unserer Rheinreise zu machen. Wir haben die erste Rheinbrücke überschritten, die erste Rheinburg gesehen, den ersten Rheinfall bewundert, nun stehen wir vor dem ersten Rheinwein, und da wollen wir bleiben.