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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Vor mehreren Jahren, als noch die Gallerie der Art-Union in Newyork bestand, wurde vorzugsweise die Aufmerksamkeit der Besucher von einem Bild angezogen, welches durch die intensiv nationale Bedeutung seines Gegenstandes, durch die wunderbare Energie und Naturfrische seiner Auffassung und die geniale Freiheit in der Ausführung sich auf eine in die Augen springende Weise vor den zahlreichen umgebenden Werken konventioneller Kunst auszeichnete. Auf einer rauhen Felsfläche, dem Gipfel eines steilen Bergabhangs, ruht eine Truppe von Jägern, auf ihre Büchsen gelehnt, voll Staunen und Verlangen nach der weiten bewaldeten Thalebene hinausblickend, welche sich unter ihren Füßen öffnet. Zuvörderst ragt aus der Gruppe eine nervige bewegliche Figur hervor, deren gebieterische Haltung den Führer der Uebrigen bezeichnet. Er zeigt auf die Landschaft mit dem Ausdruck exaltirter Freude, der Wind lüftet das starke, wild gewachsene Haar von einer aus Energie und Entschlossenheit modellirten Stirne; sein rohes, nachlässiges Ledergewand, das frische Braun seiner Wangen und der unternehmende und entschiedene, aber auch seelenvolle und wohlwollende Ausdruck des wettergefurchten Antlitzes kennzeichnen den Jäger und Pionier, den Philosophen der Wildniß, den Columbus der Wälder. Es ist Boone, wie er mit seinen Gefährten die fruchtbare Landschaft von Kentucky entdeckt, und der Strom, der in den Lichtungen der großen Waldebene sichtbar wird, ist der Ohio, da, wo jetzt Louisville steht.
Die früheste Geschichte von Kentucky, seit 1791 erst in die nordamerikanische Staatenfamilie aufgenommen, ist so sehr mit dem Namen, dem Schicksal und dem Charakter von Daniel Boone identificirt, und Geist und Wesen des Pionierlebens haben dem Leben der Kentuckyer ein so eigenthümliches verwandtes Gepräge aufgedrückt, daß unser erstes Bild aus diesem Land, selbst wenn es das Gewühl und den Glanz einer großen belebten Handelsstadt darstellt, uns unwillkürlich in die Wildniß zurücklockt, die vordem diese Stelle eingenommen, und uns zur Betrachtung der Zeit auffordert, welcher so wunderbare Wandlungen der Dinge ihre Entstehung verdanken.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 224. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/234&oldid=- (Version vom 30.12.2025)