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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Wohlfahrt, der Kraft und Lust, das ist die gemeinsame Empfindung, die mit jedem Schiff, aus jedem Auge und Mund diese Küsten begrüßt, die Alles, Jung und Alt, im Festkleid auf’s Verdeck drängt, die Noth der Heimath und Trübsal der Reise vergessen macht und den wonnetrunkenen Blick im Spiegel der grünen See badet, der die Reize einer bräutlich geschmückten Landschaft wiederstrahlt. Vorbei an den zackigen violett gefärbten Felsen von Sandy Hoock, an den blendenden Sanddünen von Cooney Island und an den sanft geschwungenen grünen Hügeln der Nordseite von Staten-Island, passiren wir das Thor zur Bai von Newyork, da, wo der Zeichner unseres ersten Bildchens seinen Standpunkt hatte, gebildet durch zwei vorspringende Landzungen von Staten-Island zur Linken und Long-Island zur Rechten, bewacht von zwei hochaufragenden Leuchtthürmen und gehütet von den beiden in die See vorgeschobenen Forts Washington und Lafayette. Die Ufer weichen zu beiden Seiten zurück und öffnen den üppigsten Busen des atlantischen Oceans, an den sich, im Hintergrund, die Empire City der neuen Welt gebettet hat. Eine Steamtug hat uns eingeholt, unser Schiff in’s Tau genommen, und plätschert, wie ein erboster Entrich gewaltig zischend und keuchend und dickere Rauchwolken aus seiner Esse pustend, voran, während sein Schutzbefohlener, mit eingenommenen Segeln und vom Mast bis zum Kiel gescheuert und geputzt, wie zu einer Staatsvisite, dem Schwan vergleichbar, eine breite weiße Furche durch die glatte Fluth zieht. Aber wir haben keine Zeit, uns mit uns selbst zu beschäftigen; sehen und – leben heißt’s, und was für ein Leben umgibt uns! – Wie auf einer Straße zum Markt begegnen sich mit geschäftigem Lärm tausenderlei Gestalten, die diese Arena der See beleben. In allen Richtungen durchkreuzen Dampfboote der verschiedensten Größe, Gestalt und Bestimmung unser Kielwasser; unwirsch aussehende schwarze Schleppboote, gleich dem unsrigen, kurz und dick gebaut, wie ein Lastträger, mit breiten Schaufelrädern und schwerfälliger Bewegung, rasseln vorüber, um den einlaufenden Schiffen ihre Dienste anzubieten; behende weichen vor ihnen die weißgetünchten schlanken Exkursionsboote aus, die innerhalb der Bai oder nach den nahegelegenen Küsten und Badeorten fliegen, wie Libellen, so elegant und zartgliederig gebaut, mit der fensterreichen Kajüte auf dem Deck und der bunten Gesellschaft Vergnügen oder Geschäft suchender Menschen auf dem Hurrikanedeck; dann die flachen, breiten und sich kaum über dem Wasser erhebenden Ferryboote, die fliegenden Brücken zwischen der Stadt und den über dem Wasser gelegenen Vorstädten mit Allem beladen, was der Verkehr der Straßen entleert, Menschen, Waaren, Pferde, Leichenzüge und sogar ganze Eisenbahntrains; sie begegnen sich, wie die Omnibusse, so regelmäßig und häufig auf den von ihren Schaufelschlägen stets sichtbaren Wasserlinien, die sich von den Mündungen der Stadt aus in allen Radien hinaus ziehen. Von Zeit zu Zeit bewegt sich durch dieses bunt umherschnurrende, kriechende und keuchende Gewürm an der Oberfläche der Wasserwelt ein stolz daher rudernder Seesteamer. Er, der Riese, kümmert sich um die Pygmäen nicht, die unter
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 235. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/245&oldid=- (Version vom 31.12.2025)