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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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seinem Bugspriet oder Stern vorbei gleiten und scheu zur Seite weichen oder wie Nußschalen von den aufgewühlten Wasserschollen seiner Räder und Schrauben geschaukelt werden. Seine hohen Essen tragen die Spuren wilden Wetters und hoher See, die bis zu dem Funkenkranz emporgeleckt und den rothen und schwarzen Anstrich mit weißer Salzkruste überzogen hat. Noch viel und über alle Beschreibung mannigfaltiger ist das Gewühl der mit Segeln geflügelten Fahrzeuge. Neben den stattlichen Vollschiffen, gleich dem unsrigen, den Barken und Briggs, die im Tau oder mit geschwellten Segeln kommen und gehen, am Jib die wehenden Flaggen von aller Herren Länder, mit Produkten aus allen Zonen befrachtet oder die Erzeugnisse amerikanischen Bodens und Fleißes nach den entlegensten Häfen der Welt führend, durch die verschiedenartigste Bauart sich auszeichnend, unterscheidet sich der dickbauchige wettertrotzende und sehnige Holländer von dem elegant gewachsenen Dänen und Engländer, der plumpe Russe von dem leichten, aber gebrechlichen Griechen oder dem soliden, aber gemächlichen Hanseaten; vor allen aber, wie ein edles Roß vor einer Koppel roher Ackergäule, der amerikanische Klipper, mit der schlanken elastischen Taille, dem lang gestreckten, schön geschwungenen Bug, den windwärts stehenden hohen Masten und dem scharfgeschnittenen Bugspriet, das ihm auch durch den vehementesten Wogendrang Bahn bricht. Mit diesen Schiffen haben die Yankee’s das Wunder erreicht, daß sie mit den atlantischen Seesteamern um die Wette segeln.
So verschieden wie ihr Bau ist auch ihre Toilette. Dort eine Barke mit dem Blue Jack oder den Sternen und Streifen auf der Flagge, wie schmuck und stolz schwebt sie einher; sie ist neu kalfatert und der blanke Kupferbeschlag wirft lange blitzende Streiflichter auf die Wasserfläche; die neue Takelage harrt noch der Taufe des Seewassers, und die Segel, mit dem blauen oder rothen Streifen, sind noch ohne Flicken, die Masten neu gefirnißt, Name und Figur des Schiffes frisch vergoldet und gemalt, das Schiffsvolk in weißer Wäsche und sauberer Kleidung, Alles neu und proper, zur Mitreise einladend. Dort kommt ein Grönländer Wallfischfänger herein, man sieht’s ihm an, daß er zwei Jahre keinen Hafen gesehen und mit Eisbergen zu schaffen gehabt hat. Die oxydirte Bekupferung hängt in Fetzen an ihm herab, dick rostig ist jedes Stück Metall, das Roth der gemalten Wasserlinie, das Weiß der Kajütluken und selbst die dicke Theerhaut des Hulls hat das Seewasser abgenagt, die Taue sind schwarz und ausgefranzt, die Segel geflickt, die Matrosen zerlumpt, aber die vielen Barden, die außen an der Gallerie des Schiffs festhängen, zeugen von einem reichen Fang, und lustig und in frischen Farben flattert die sorglich verwahrt gewesene Flagge über dem Stern. Noch schlimmer sieht jene Brigg aus, die ein Tow-Boot in’s Schlepp genommen hat; sie hat in voriger Nacht vor der Küste Hawarie gelitten; der Bugspriet verloren, das Steuer ohne Führung, kein ganzes Segel mehr, die Takelage um die Raaen flatternd, Mast verloren und Nothspieren aufgesetzt, von der Gallerie des Schiffes keine Spur mehr zu sehen. Obgleich alle Hände an den Pumpen, liegt das Schiff doch auf der Seite und hat, wie man aus seinem Tiefgang bemerkt, schon viel
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 236. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/246&oldid=- (Version vom 31.12.2025)