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Kessel ein wahres Paradies der fruchtbarsten und anmuthigsten Thalbilder, die sich zwischen sanften Hügeln wiegen, groteske Felsengebilde, labyrinthische Höhlen und phantastische Grotten, schäumende Wildbäche und von der Göttin der Gesundheit geweihte Quellen entrollen sich in raschem Wechsel vor den Schritten des Wanderers, der Gewerbfleiß belebt die Thäler mit Dampf- und Wasserwerken, an den Anhängen steigen die Häuserstufen volkreicher Orte empor, Sage und Geschichte thronen auf burggekrönten Höhen, und über Wald und Flur hat die Fruchtgöttin das Horn ihres Ueberflusses ausgeschüttet. Die Eisenbahn, welche jetzt durch diesen großen Naturpark gelegt wird, verfehlt sicherlich nicht, an der Handhabe der materiellen Interessen auch die landschaftlichen Reize, zu denen sie den Weg bahnt, ihrem Versteck zu entreißen und künftig Schaaren von Vergnügen und Zerstreuung suchenden Pilgern nach Mähren zu führen, wie sie jetzt nach dem benachbarten Böhmen oder der sächsischen Schweiz wallfahrten.

In einer der quellenreichsten Gegenden Mährens gebettet, in einem weiten Thal der westlichen Ausläufer der Karpathen, liegt das Bad Roznau, ein Marktflecken von 3000 Einwohnern mährisch-wallachischer Abkunft, deren Armuth und Bedürfnißlosigkeit sich auch da noch mit dem blockhausartigen Holzbau begnügt, der dem Ort fast das Aussehen einer steierischen oder tyroler Ansiedelung gibt. Der Ruf seiner Heilquellen ist von jüngerem Datum und die Badeliste versteigt sich noch nicht zu den hohen Ziffern ihrer böhmischen Schwestern, doch erinnern ein Paar nagelneue comfortable Hotels, noch junge englische Parkanlagen und steife Alleen und die geräuschvolle Esplanade, auf der sich vor dem Kurhaus allabendlich die Gäste bei einem gutbesetzten Orchester böhmischer Musikanten versammeln, daß auch das so idyllische Roznau die Koketterien seiner älteren Schwestern zu erlernen bemüht ist, um für sein Wasser die Gunst und das Gold der Fremden einzutauschen.