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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Ein so unbekannter Theil des amerikanischen Binnenlandes und insbesondere der mexikanischen Staaten Chihuahua für den europäischen Leser noch heute ist, ein so bekannter Mann lieferte uns in direkter Korrespondenz die Nachrichten über Staat und Stadt dieses Namens: Julius Fröbel. Seine durchaus glaubwürdigen Berichte benutzen wir für diesen Artikel.
Der Name „Chihuahua“ ist altindianischen Ursprungs und soll eine „Freudenstätte“ bedeuten. Ob die Lage der Stadt oder der Mineralreichthum der Umgegend zu dieser Benennung Anlaß gegeben, das wissen wir nicht. In einem der tiefen Thäler der Santa Eulalia-Berge, ungefähr zwölf Meilen von dem Gegenstand unserer Stahlplatte, sieht man in einer, mehre (engl.) Quadratmeilen umspannenden Ausdehnung den Boden durchwühlt von den Stollen und Schachten zahlreicher Silberminen; es sollen deren über hundert sein. Dieses ganze Grubengebiet nennt das Volk „Chihuahua la vieja“, Alt-Chihuahua. Ob auch Spuren einer ehemaligen Stadt dort gefunden worden, war nicht zu ermitteln. Sicher ist aber, daß zu Ende des 17. Jahrhunderts Mühlen, Schmelzöfen und alle sonstigen Werke zur Gewinnung des Silbers aus den Erzen von Santa Eulalia auf der Stelle des heutigen Chihuahua errichtet wurden, weil jene alte Stätte weder Wasserkraft zum Betrieb solcher Werke, noch den nöthigen Raum zur Gründung einer bedeutenderen Stadt darbot. Die Erze wurden auf Mauleseln hieher befördert. Die neue Stadt erhielt eine Münze und ein Probiramt. Von da an stieg die Silberausbeute und die Einwohnerzahl in gleich glücklichem Verhältniß, so daß diese in Kurzem auf 60,000 Seelen anwuchs und jene die enorme Summe von 450 Millionen Dollars erreichte. Die Schlackenhalden erheben sich rund um die Stadt zu beträchtlichen Hügeln, auf welchen jetzt Häuser stehen. Die Bevölkerung ist jedoch gegenwärtig bis auf 14- bis 15,000 gesunken, und bei noch einigem bewahrten Wohlstand Einzelner wohnt nur allzubreit die Armuth, wie in ganz Mexiko, in den verlassenen Hallen vergangener Pracht. Die Hebel des Reichthums waren: Bergbau und Viehzucht. Die Silberminen wurden vernachläßigt von dem durch Luxus und innere Zwiste herabgekommenen Volke, das zu jeder Thätigkeit, welcher ein Impuls von außen fehlt, unfähig geworden ist, und
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/46&oldid=- (Version vom 25.12.2025)