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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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die zahllosen Viehheerden erlagen den unaufhörlichen Angriffen der feindlichen Indianerstämme, denen der Staat keine entsprechende Waffenmacht entgegen zu setzen hat.
Gleichwohl ist Chihuahua noch heute ein schmucker Ort. Die breiten und reinlichen Straßen, die vielen wohlerhaltenen Häuser, die schönen Plätze, die stattliche Kathedrale, die Alameda (öffentlicher Spaziergang), der Aquädukt, welcher auf mehren hundert Bogen das köstlichste Wasser von einem ziemlich entfernten Berge bis mitten in die Stadt leitet, – dies Alles zeugt noch heute von ihrer alten Pracht und gibt ihr ein ehrwürdiges Ansehen. Der Reisende, der Tausende von Meilen durch die Wildniß gezogen ist, wird vom Anblick solcher Wohnlichkeit auf’s Freudigste bewegt. Ein Vergleich mit jeder eben so stark bevölkerten neueren Stadt von Nordamerika fällt stets zu Gunsten Chihuahua’s aus; wie respektable, sauber, ordentlich und nobel erscheint es neben jenen Städten mit dem tiefen Straßenschmutz und den Pappschachteln, die man dort Häuser nennt, und die, als Produkte des Eintags-Interesses, wie Sinnbilder dastehen von dem unbeständigen Geist eines rastlosen Volks.
Und diese schöne Stadt liegt in einer Wildnis. Zwei Dörfer, Nombre de Dios und Tavalope, einige Meierhöfe und schmale Streifen bebauten Landes gehören allerdings noch zur Umgebung von Chihuahua, aber auch sie erscheinen nur wie Oasen in der Wüste. Kahle Felsen und steinige Ebenen mit einer dürftigen Grasdecke, dornigen Algarobbien, Kaktussen, Yuccas und anderen derartigen Pflanzen beginnen unmittelbar hinter den letzten Häusern und Gärten, und ein Mann, der sich unbewaffnet nur eine Stunde weit von der Stadt entfernt, ist seines Skalps nicht mehr sicher. Unter den jetzigen Verhältnissen ist an ein Emporbringen selbst des kulturfähigen Bodens nicht zu denken. Daß aber mit Hülfe tüchtiger Wasserleitungen und artesischer Brunnen das Land in Kurzem einen ganz anderen Anblick gewähren, daß es volkreiche Ortschaften in Menge nähren könnte, dafür spricht sowohl die geologische Struktur als die Ertragsfähigkeit des Bodens, besonders an vortrefflichen Körnerfrüchten, überall, wo ihm die Menschenhand nachgeholfen hat.
Unsere Stahlplatte zeigt in der Mitte des Hintergrundes einen Theil der großen Wasserleitung und zur Rechten die Kirche Unserer lieben Frau von Guadaloupe, der Schutzpatronin von Chihuahua.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/47&oldid=- (Version vom 25.12.2025)