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seinen anderen Lustbarkeiten zu folgen. Ein solcher Origineller ist überall der Liebling der Kinder und die Kinder sind seine Lieblinge, weil sie sich verwandten Herzens fühlen: aus so tiefem Grunde rührt der Scharfblick der Kinder, die stets Den herausfinden, der sie wirklich lieb hat. Ein Origineller darf endlich nie selbstsüchtig sein, im Gegentheil, „wenn er hat, haben Alle“, sonst macht er sich seines hohen Standes unwürdig und steigt zur weit tieferen Klasse des „Sonderlings“ herab, den weiter gar nichts auszeichnet, als daß er sein wirkliches geheimes Privat-Unwesen standhaft für sich so hin treibt, auch wenn die Leute darüber lachen.

Nur aus dem Stande der originellen Kerle gehen die Genies hervor und die geistig fruchtbaren Talente, welche ihren Fleiß dem Wohl der Menschheit widmen; oder umgekehrt, alle diese originellen Kerle sind eben nur dies, weil ihnen diejenige Stellung im Leben nicht wurde, für die sie hinsichtlich ihrer geistigen Begabung von der Natur bestimmt waren. Gerade dieser Kontrast zwischen Geist und Lebensstellung macht sie im Auge der urtheilsarmen Menge zu komischen Figuren, welche „so närrische Einfälle“ haben. Hätte aber die menschliche Gesellschaft endlich einmal den richtigen Einfall, nicht vorzugsweise der wohlhabenden Mittelmäßigkeit, dem erwerbsüchtigen Reichthum und gepflegter Vetterschaft die Wege zur höchsten Bildung bequem zu machen, sondern würde vorzugsweise das wirkliche Talent schulpolizeilich ausspionirt und von Staatswegen auf die ihm gebührende Bahn geführt, so sollte es wohl der „originellen Kerle“ noch weniger, aber desto mehr Originale in Wissenschaft und Kunst und hochgesinnte, thatkräftige, opferfreudige Männer im Dienste des Staats und der Menschheit geben, wahrlich ganz andere, als jetzt die gehätschelte und stets selbstsüchtige Mittelmäßigkeit mit einer wissenschaftlichen Bildung, die das Herz auspumpt, um den Kopf zu füllen, vor und über das Volk stellt. Wäre es möglich, daß ein Federzug des Schicksals dieses fehlervolle Exercitium des Menschenlebens plötzlich corrigirte, wie viele arme Leinweber, Seiler und andere Handlanger säßen auf hohen Lehrstühlen und Präsidentensesseln, und wie viele Hofräthe müßten sofort Schuster und Schneider werden!

Die Unlust der originellen Kerle am philiströsen Tageserwerb liegt eben nur darin, daß sie den abgerackerten Pegasus im Ochsenjoch darstellen sollen. Wo aber die Mittelmäßigkeit lange Zeit die Alleinherrschaft führt, wird der Boden des Lebens entkräftet und die Luft verdumpft. Wie lange arbeiten nun schon Polizei und Geistlichkeit an der Ausrottung aller alten kernigen Volkssitten! Wie sorgsam werden die Löcher verstopft, aus denen das Herz die frische Luft der Lust schöpft! „Bete und arbeite!“ wird an jede Hüttenthür geschrieben, aber „der Freude schönen Götterfunken“ mit demselben Eifer in des Volkes Brust zu wecken, daran denken höchstens noch die vom siegenden Materialismus mehr und mehr decimirten armen „originellen Kerle“. – Und daher, aus diesem Gefühle mehr und mehr versiechender Quellen rüstiger, kräftiger, sittentüchtiger Freuden, stammt wohl der klagende Lon in jener Bemerkung, daß die Originale bei uns immer seltener würden.