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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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der Stadt selbst gehörten, betrug 23,800 Tonnen mit einem Gesammtwerthe von 1,547,000 Dollars. Es ist kein Zweifel mehr möglich, daß St. Louis, bei seiner Lage, den Illinois und Missisippi im Norden, den Ohio, und dessen Nebenflüsse im Südosten, den Missouri im Westen, einst der Centralpunkt Nordamerika’s werden müsse.
Treten wir der Stadt näher, so verliert sie nicht an Großartigkeit, wir müssen gestehen: stattlich ist Alles. Aber eine Aehnlichkeit haben die Missisippistädte und alle übrigen nordamerikanischen neuesten Styls eben doch mit denen der Türkei und des übrigen herabgekommenen Morgenlands: schön erscheinen sie nur in gewisser Entfernung; da geben Beide sogar die imponirendsten Bilder. Was den orientalischen Städten in der Nähe fehlt, ist allbekannt; den amerikanischen fehlt vor der Hand noch – die Ruhe, die zur Pflege des Schönen unerläßlich ist und deren Mangel sich eben so deutlich, wie im öffentlichen Leben, in sämmtlichen Bauwerken ausspricht, vom Farmer-Blockhaus bis zur Aktien-Kirche. Aber nur – vor der Hand, und das ist vor der Hand gut. Trotz des endlosen Zeterns über die abscheuliche Yankee-Dollar-Jägerei wird man noch zu der Einsicht kommen, daß das dermalige Amerika nicht anders sein kann, weil es dermalen noch nicht anders in seinem Blute liegt. Amerika ist angehender Jüngling, in der ersten Sturm- und Drangperiode, und – die Jugend will vertoben, sagt das deutsche Sprüchwort. Und will man, mit einem schielenden Blick auf die „Welt-Krisis“ dieser Tage, hindeuten auf das andere Sprüchwort: „Jugend hat – keine Tugend“ – so ist zu beachten, daß denn doch eigentlich die alte, sittsame, so oft naserümpfende Europa sich über alle Maßen an diesen letzten amerikanischen Jugendstreichen betheiligt und das dritte Sprüchwort für sich bestätigt hat: „Alter schützt vor Thorheit nicht.“ –
Bei der Anlage amerikanischer Städte wird weder Rücksicht auf Schönheit noch auf Gesundheit der Gegend genommen, sondern einzig auf Fruchtbarkeit des Landes oder vortheilhafte Handelslage. Die letztere Rücksicht hat für St. Louis den Bauplatz bestimmt. Es liegt am rechten Ufer des Missisippi, auf einem Lehmgrunde der Alluvialbildung, unter welchem Kohlenkalkstein aufgeschlossen wurde und der sich landeinwärts unbedeutend erhebt. Da 18 Meilen oberhalb der Stadt der wilde Sohn des Felsengebirgs, der wasserreiche Missouri, welcher dem Staat, dessen größter Ort (die Hauptstadt ist Jefferson City) St. Louis ist, den Namen gibt, in den Missisippi mündet, so sind die am Stromufer hinlaufenden Straßen häufig verderblichen Ueberschwemmungen ausgesetzt, wie dies im Jahr 1844 sogar zwei Male der Fall war. Die dem Strom parallel gezogenen Hauptstraßen werden von Querstraßen rechtwinkelig durchschnitten; Frontstreet und Firststreet gelten für die schönsten. Die Häuser sind meist aus rothem Baustein gebaut, hoch und breit, zweckmäßig und bequem, aber ohne alle architektonischen Geschmacksrücksichten. Deshalb unterlassen wir ein näheres Herantreten an die einzelnen durch Zweck oder Größe hervorragenderen Bauwerke, denn daß eine Stadt wie St. Louis Rathhaus und Kirchen aller Sekten, Klöster und Akademien, Arsenale und Bibliotheken, Bildungs-, Vergnügungs- und Wohlthätigkeitsanstalten aller Art und mit
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/62&oldid=- (Version vom 25.12.2025)