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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Frankfurt gehört zu den vielen deutschen Städten, die mit Stolz auf ihre Geschichte blicken können, wie der Deutsche berechtigt ist, mit Stolz auf alles Land östlich von der Elbe und Saale zu blicken, denn wenn der Fremde höhnisch fragt: „Wo sind euere Kolonien?“ so zeigen wir dorthin: das halbe Norddeutschland ist’s, das unsere Alten erst mit Schwert, Kreuz und Pflug erobern mußten. Frankfurt ist in diesen unseren Kolonialländern ein vielgeprüfter Ort, gehärtet und gestählt durch den Kampf vieler Jahrhunderte, und behauptet noch heute fest und würdig seinen alten Posten.
Je älter eine Stadt, desto freier beginnt der Chronist ihre Geschichte. Um mittelst einer Furth der Franken den Ursprung der Stadt und ihres Namens mit einem Federzug hinzustellen, lassen die alten Chroniken um 140 v. Chr. einen Frankenkönig (Senno oder Sunno I.) aus Scythien daherziehend hier die Oder überschreiten. Daß aus Scythien nie Franken gekommen sind und der Name „Franken“ damals hier noch kein menschliches Ohr berührt haben konnte, kümmerte die braven Alten nicht. Das Einfachste ist, daß Frankfurt ursprünglich ein Fischer- und Schifferdorf war, das allmählig zum Marktflecken anwuchs und der günstigen Lage angemessen ein Uebergangspunkt für den deutschen Handel nach Polen wurde. Zur Stadt wurde es erhoben am 14. Juli 1253. Dieses Datum trägt eine Urkunde, nach welcher die Markgrafen von Brandenburg, Johann I. und Otto III., in Gemeinschaft mit dem Erzbischof von Magdeburg den „Flecken“ vergrößern und den Marktplatz bei der Nikolaikirche, sowie die Niederlage in der Nähe des Orts erhalten wollten. Die junge Stadt wurde in Rechten und Pflichten Berlin gleichgestellt. Sie gedieh durch die Rührigkeit ihrer Bürger, die ihren Namen mit Ehren trugen, denn sie wußten ihre Stadtburg zu schützen. Ihre Nachbarn, namentlich die geistlichen, sorgten dafür, daß sie allezeit tüchtig in der Tapferkeit geübt wurden. Die Stadtmauern waren kaum fünfunddreißig Jahre alt, als sie die erste Belagerung, 1290 durch Markgraf Dietrich von Meißen, zu bestehen hatten. Darauf wurde (1318) die Befestigung vom Markgrafen Waldemar verstärkt. In ihrem Bürgersinn verständig und treu und, durch Erfahrungen in nächster Nähe gewitzigt, waren die Bürger in allen Kämpfen zwischen Hierarchie und weltlichem
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/68&oldid=- (Version vom 25.12.2025)