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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Reich dem Kaiser treu, und so urprotestantisch ist Land und Luft dort, daß schon dieses junge Frankfurt des päpstlichen Bannes lachte, Bischöfe von seinen Mauern trieb und bis in die eigenen festen Sitze verfolgte. Doch waren sie in Frankfurt weniger grausam, als zu Halle, wo die Bürger den habgierigen Magdeburger Erzbischof 1325 einkerkerten und hinrichteten: die Frankfurter nahmen den Bischof von Lebus, der nicht des Glaubens, sondern des lieben Zehntens wegen im Verein mit dem Polenkönig das Land verwüstet und 1326–1328 Frankfurt vergeblich belagert hatte, in Goritz, der Bischofsburg, die sie eroberten, gefangen und ließen ihn so lange in strenger Haft büßen, bis er in sich ging, Lösegeld zahlte und von den ungerechtesten seiner Forderungen abstand. Erst im Jahr 1334 wurde der Gottesdienst in Frankfurt gegen eine zehnjährige Abgabe wieder freigegeben! Das sind Zeichen jener Zeit. Als der falsche Waldemar aufstand, fiel Frankfurt ihm zu und wurde deshalb 1348 von Kaiser Karl IV. belagert; und kaum war diese Kriegsdrangsal vorüber, so sorgten die feindlichen Bischöfe von Lebus für einen neuen Bannstrahl, 1350 bis 1354. Einen treuen Gönner fand die Stadt an dem Kurfürsten Ludwig dem Aeltern von Brandenburg: er ertheilte ihr neben vielen anderen werthvollen Privilegien auch die Freiheit der Schifffahrt zwischen Breslau und Stettin. Aehnliches erfolgte von Seiten seiner Nachfolger und selbst der Kaiser. Die Stadt war reich und mächtig geworden, so daß sie den stets geldbedürftigen Fürsten bereitwillig aus der Noth helfen und dafür immer neue Vorrechte und Vortheile für sich gewinnen konnte. Das 14. Jahrhundert schloß die glückliche Stadt mit einem frommen Werke: der Stiftung des Karthäuserklosters beim Gubener-Thore. Das 15. Jahrhundert ließ mit neuen Stürmen nicht lange auf sich warten und schloß abermals mit einer Stiftung, die ein strahlendes Zeugniß ablegt für den geistigen Fortschritt, den diese hundert Jahre in den Häuptern und Köpfen des deutschen Volkes, und zwar nicht nur im Norden, bewirkt hatten. Die Kriegszüge der Hussiten erstreckten sich bis nach Frankfurt; Procop belagerte die Stadt zweimal vergeblich. Mit ebenso wenig Erfolg lagen 1450 die Polen vor den Mauern der festen Bürger. In besonderer Gunst stand Frankfurt bei dem Kurfürsten Friedrich II. und Johann Cicero, der schon als Kurprinz eine Vertheidigung der Stadt gegen den Herzog von Sagan geleitet hatte, 1477. Damals kehrten 350 gefangene Frankfurter, die der Herzog frei gelassen hatte unter der Bedingung, daß 100 Dukaten Lösegeld für sie bezahlt würden, in die Haft zurück, weil diese Summe für sie nicht aufzutreiben war. Das hieß: Worthalten, weiter nichts. Von da an ging das Jahrhundert auf der beglückenden Bahn des Friedens seinem Ende entgegen; denn die einige Zeit störenden Strauchdiebereien märkischer Edelleute, der Krachte, Köckeritze, Lüderitze, Itzenplitze und Cons., legten sich, nachdem die Bürger mit guten Stangen und Klingen einigemale die adeligen Schnapphähne auf Finger und Köpfe geklopft hatten. Die Stiftung, mit welcher Frankfurt das Ende des 15. und den Anfang des 16. Jahrhunderts verherrlichte, war die einer Universität: soweit war man in 100 Jahren vom Karthäuserkloster aufwärts gestiegen! Den Anfang dazu
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 59. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/69&oldid=- (Version vom 25.12.2025)