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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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machte das noch von Johann Cicero (1499) errichtete „Fürstenkollegium“; die Universität selbst wurde 1505 von Joachim I. gestiftet, nach dem Muster der leipziger Hochschule eingerichtet und 1506 eingeweiht. Einer ihrer ersten Studenten war Ulrich von Hutten, und – der Ablaß-Tetzel erhielt von ihr den Doktorhut. In der deutschen Gelehrten-Republik ist von jeher Alles möglich gewesen. – Viel schadete der jungen Universität die Pest, welche zehn Jahre lang in Frankfurt wüthete und die Verlegung der Anstalt nach Kottbus nöthig machte, und die Eifersüchteleien gegen Wittenberg und Luther. Erst nachdem unter Joachim II. am 9. Nov. 1539 die Reformation in Frankfurt eingeführt und die Universität nach reformirten Grundsätzen eingerichtet worden war, gedieh sie zu einer schönen Blüthe. Sie ward 1811 nach Breslau verlegt.
Eine lange Zeit äußeren Friedens ließ der Stadt Muße, an der Entwickelung ihrer Verwaltung und Verfassung, der Ausbreitung ihres Handels durch die berühmten Messen und gesicherte Schifffahrt zu arbeiten. Im Nordosten Deutschlands war Frankfurt damals eine Zierde deutscher Handels- und Gewerbsthätigkeit. Da kamen über die Stadt drei große Kriege, gekämpft mit den Waffen der neuern Zeit, gegen welche ihre Mauern keinen Halt mehr boten: der dreißigjährige Krieg, der siebenjährige Krieg und die Franzosenkriege. In allen drei Kriegen lag Frankfurt fortwährend in der Feuerlinie. In welchem Zustand eine Stadt aus solchen Drangsalen hervorgehen muß, erklärt sich von selbst. Nach dem dreißigjährigen Krieg waren 500 Feuerstellen der Stadt verschwunden und 5000 Einwohner von Krieg und Elend dahin gerafft worden. Nach dem siebenjährigen Krieg klopfte die Armuth an alle Thüren. Nach der Schlacht bei Jena bis zum Aufruf: „An mein Volk“ fraß die französische Herrsch- und Habgier bis in’s Mark, so daß damals viele Bewohner die Stadt mit dem Rest von Hab’ und Gut lieber in Stich ließen, als der Schande länger zusahen, die man in unseren Tagen mit „Helena-Medaillen“ verewigen möchte.
Seit dem Frieden von 1815 hat die Stadt wieder rastlos an ihrem Wohlstand gebaut und, trotz mancher ungünstigen Vorgänge, in der Handelswelt einen ehrenwerthen Rang behauptet. Die jährlichen drei Messen (zu Reminiscere, Margaretha und Martini) sind die stärksten der Monarchie, und wenn sich auch seit 1835 eine Abschwächung derselben fühlbar machte, so wird Frankfurt doch stets ein wichtiger Mittelpunkt des Handelsverkehrs zwischen den deutschen und nordischen Staaten, ein besonders glücklich gelegener Austauschplatz der deutschen Fabrikwaaren gegen polnische und russische rohe Produkte und deshalb, so lange sich der Kulturzustand des Nordostens nicht bedeutend verändert, noch fort und fort ein bequemer und lebhafter Meßplatz bleiben. Die Eisenbahnen, die es mit Berlin, Breslau, Danzig und Königsberg verbinden, werden für die Zukunft der Stadt, im Verhältniß des riesigeren Verkehrs, so großartig wirken, wie dies durch die Kanäle und Chausseen im langsameren Schritt der früheren Zeit geschehen ist.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 60. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/70&oldid=- (Version vom 25.12.2025)