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bringen; ein Stündchen ist abermals vergangen, und ehe die Post das nächste Dörfchen, Birkenfeld, erreicht hat, ist’s Mittag geworden. Dafür haben wir aber auch bereits eine ganze Wegviertelstunde zurück gelegt und hören deutlich den Klang der Glocken von Hildburghausen her. – Roß und Mann sind erschöpft; sie stärken sich lange. Darauf führt die Poststraße in eine Hohlgasse, die sich an einer Anhöhe hinaufwindet. Der vorsichtige Schwager nimmt die Ochsenbauern gleich als Vorspänner mit. Da steht nun eine unglaubliche Arbeit vor den armen Thieren; der Wagen versinkt bald rechts, bald links in’s Bodenlose, das nothwendige Ausruhen von Mensch und Thier nimmt stets mehr Zeit in Anspruch, als das Vorwärtsringen, endlich – endlich ist die unbedeutende Höhe erreicht, und der Weg zieht sich nun zwischen schönem Wald hin; aber das ist’s eben: der Waldweg ist für uns zum Holzweg geworden. Wir fühlen plötzlich eine schöne sanfte Neigung abermals zur Rechten, ein tiefes Loch voll zähen Koths hat den Wagen erwartet, halb zieht er ihn, halb sinkt er hin, er liegt nicht, er steht nicht und weicht nicht von der Stelle. Vergeblich sind alle Bemühungen, die vorhandenen Kräfte reichen nun nicht mehr aus; aber der Abend ist da, die Dämmerung bricht ein. Was anfangen? Geleitsreiter und Postillon bleiben beim Geschirr im Walde, die Reisenden, die nicht die Nacht im hängenden Wagen zubringen wollen, suchen ein Obdach im nahen Dörfchen, wir aber kehren die drei Viertelstunden unserer heutigen Tagereise nach Hildburghausen zurück, wie – der Peter aus der Fremde. Der andere Morgen findet die Reisegefährten frühzeitig auf der verhängnißvollen Stelle beisammen. Auch der Wagen hat sein Nachtlager mit großer Gewalt verlassen müssen und steht ordnungsmäßig da. Einsetzen und fortfahren. – Aber, lieber Leser, warum soll ich Dich noch zwei bis drei Tage lang all’ das Bittere erdulden lassen, was wir am ersten Tage erfahren haben? Es wird nicht anders, es wird nicht besser, manchmal noch schlimmer, denn da lauert noch ein Fuchsberg mit seinen Tücken und manches Loch, mancher abscheuliche Stein des Anstoßes zur Freude des Wagners und des lachenden Dorfschmieds. Genug also. Der schwere und stark bepackte Postwagen fuhr, bei bösem Wetter, von Hildburghausen bis Koburg (sechs Wegstunden) nicht selten drei Tage, genau so viel Zeit, als man jetzt zu einem Ausflug von Gotha bis an das adriatische Meer braucht. Gegenwärtig legt die Post dieselbe Strecke in eben so viel Stunden zurück; der Dampfwagen wird’s, vom Herbst dieses Jahres an, in einer Stunde vollbringen.

Der Leser verzeiht die etwas breite Ausführung dieses Genrebildchens einer alten Postfahrt; sie gehört nicht nur zu dem Gegenstand, den ich zur Besprechung gewählt habe, sondern man wird auch zu dem geschilderten Fuhr- und Straßenwesen überall in Deutschland einen alten Hintergrund finden.

In unseren Tagen rastloser Verkehrsbeschleunigung durch unermeßlichen Aufwand von Kapital-, Menschen- und Maschinenkraft ist die Frage möglich: Warum haben unsere Alten sich nicht bessere Wege gebaut? – Antwort: Es fehlte ihnen die Mutter aller Erfindungen, Entdeckungen und Unternehmungen, es fehlte ihnen