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das Bedürfniß dazu. Man wende die gleiche Frage an auf die Buchdruckerkunst. Warum haben nicht schon die sinn- und kunstreichen Griechen sie erfunden? Sie, die kostbare Säulen von Erz bildeten und Inschriften in Stein und Metall gruben? Lag ihnen die wichtige Erfindung nicht weit näher, als den Deutschen im verrinnenden Mittelalter? Sie hatten dazu das Bedürfniß nicht. Das durchaus öffentliche, Straßen-, Gesellschafts- und Versammlungsleben der kleinen Republiken bot so viel Gelegenheit für die Verbreitung des Worts, Theater und Festspiele gaben Schriftstellern, Dichtern und Rednern so viel Arenen des Glanzes und Ruhms, daß man unser Verbreitungsmittel der Gedanken leicht entbehrte. Näher lag den praktischen und weitherrschenden Römern dies Bedürfniß. Dennoch blieb auch ihnen die große Erfindung verborgen. Sie ersetzten sie aber durch – ihren Straßenbau. Diesen gebot ihnen das Bedürfniß. Die Straßen waren die Ketten, mit welchen Rom die Länder seines ungeheueren Reichs an sich fesselte, es waren die festungsreichen Bahnen der Legionen, Roms Heerwege. Sie zerfielen mit dem Reich, zumal in Deutschland, dessen Bedürfniß dem Verkehr später andere Richtungen anwies. Karl der Große that viel für die Herstellung guter Wegbauten, aber auch ihm dienten sie hauptsächlich als Heerwege. Unter den späteren Kaisern ging die alte Straßenbaukunst zu Grabe und erstand erst wieder, als das Reich selbst im Grabe lag. Im ganzen Mittelalter bis auf die neueste Zeit war Sicherheit des Eigenthums gegen Raub und Krieg des deutschen Volkes oberstes Bedürfniß. Die Sicherheit stand höher, als der Erwerb; sie war so selten, und man war genügsam. Wo im Volke eine Abneigung sich in solchem Grade ausgebildet hat, wie bei den deutschen Bauern die gegen freiwilliges Straßenbauen, da müssen Ursachen dazu Jahrhunderte eingewirkt haben. Und hier wirkte nicht nur die von Oben gepflegte Gewohnheit unseres deutschen Landvolks, zu jedem Schritt vorwärts, von der Obrigkeit zu ihrem irdischen, wie vom Pfarrer zu ihrem himmlischen Heile, sich nur durch Zwang bewegen zu lassen, – sondern es sind auch bittere Familien- und Gemeinde-Erfahrungen durch Jahrhunderte, welche das Gefühl in’s Volk setzten, daß die Sicherheit des Eigenthums zunehme im Grade der Entfernung desselben von den Heerstraßen. Daß dem in der That so ist, können noch heute zahlreiche Aktenstücke der deutschen Archive aus neuester Zeit beweisen. Als zu Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts, am lebhaftesten aber nach den letzten Franzosenkriegen, der Straßenbau in Deutschland von den Regierungen in die Hand genommen wurde, kamen viele Gemeinden zu ihren Fürsten und Behörden mit den dringendsten Bitten, die Chausséen nicht durch ihre Dörfer, nicht durch ihre Flurmarkung, ja, möglichst weit abseits zu führen, – und warum? Aus Furcht vor Truppendurchzügen. Es lache Niemand darüber! Wo ist in Europa, ja auf der Erde, noch ein Land, das der Krieg so oft durchrast, wo ein Volk, das die Blut- und Raubgier so oft zerrissen hätte! Wer auf die Karte von Deutschland alle Blutlachen der Schlachten, Gefechte, Belagerungen und Verfolgungen, alle Brandstätten der „kriegsrechtlichen“ Zerstörungen malen