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könnte, nur seit dreihundert Jahren, der würde ein schreckliches Bild aufstellen. Es fallen in diesen Zeitraum deutscher Geschichte mehr als einhundert und fünfzig Kriegsjahre! Und an wessen Gut und Blut zehrten diese stets und zumeist? – Niemand darf sich wundern, wenn der Bauer endlich zu der Ueberzeugung kam: je weiter hinter dem schlechtesten Weg, desto sicherer! Und was einmal im Bauern fest steckt, das ist nicht durch Belehrung und Zureden, sondern nur durch die Zeit und ihre neuen Erfahrungen wieder heraus zu treiben. Wer sich im Vaterlande umgesehen, weiß, daß diese neuen Erfahrungen kaum zu wirken begonnen haben, ja, daß sogar für die nächste Zukunft ihr abermaliges Zurücktreten zu befürchten ist.

Deutschland ist gegenwärtig nach allen Richtungen von guten, zum Theil musterhaften Straßen durchzogen. Wessen Bedürfniß rief sie in’s Leben? Das der Staaten und der Städte. Es sind Heer- und Verkehrwege. Die Chausséen verbanden anfangs vor Allem Stadt mit Stadt. Im 18. Jahrhundert war jedoch die Technik des Straßenbau’s noch so mangelhaft, daß man, des festeren Grundes wegen und aus Scheu vor den kostspieligen Brückenbauten, die Richtung über die Berge den Thalwegen vorzog. Dadurch waren viele Bergorte in den Straßenzug mit aufgenommen und viele Fabrik- und Manufakturanlagen im Gebirg in’s Leben gerufen worden. Auch sah man weniger auf möglichst gerade Richtung der Hauptstraßen, ja, manche Staaten traf der Verdacht, daß ihre meisten Wege bestimmt seien, den Reisenden so lange als möglich innerhalb ihrer Grenzen aufzuhalten. Als nun nach der Beendigung der Kriege das Vertrauen auf die Befestigung des Friedens mehr und mehr Platz in den Gemüthern gewann und das Gefühl der Sicherheit auch auf das Landvolk überging, begann das Abzweigen der Landstraßen und Gemeindewege von den Heerstraßen, und dies war von großer Bedeutung für den Wohlstand der Länder: sie wurden dadurch nach allen Richtungen dem Verkehr und dadurch einer vortheilhafteren Ausbeutung ihrer Produktion aufgeschlossen. Kleine Länder wurden durch solche Straßenverzweigungen in demselben Verhältniß größer, als jetzt die größten Staaten vor dem auf den Eisenschienen dahin fliegenden Blick des Reisenden kleiner werden; sie individualisirten das Land, bewahrten auch den kleinen Städten ihren Werth und waren der Schutz des Bürgerthums und seiner Gewerbe.

Dieser seiner Zeit glückliche Zustand mußte weichen, als das Bedürfniß des großen Verkehrs und der großen Produktion wach wurde und die Zoll- und Mauthschranken innerhalb der deutschen Grenzen nach und nach fielen. Es waren wichtige Fortschritte in der Volks- und Staatswirthschaft, welche nun auch die großen Straßenanlagen nothwendig machten, die unser Jahrhundert entstehen sah, und sie führten zuerst zu der Centralisation der Länder, die durch die Eisenbahnen auf die höchste und ohne Zweifel auf eine gefährliche Spitze getrieben wird.