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Nothgebot der Zeit. Jedes Land, das dieses Gebot mißachtet, wird auf seiner Eisenbahn nur seinen eigenen Wohlstand davon fahren sehen. Dagegen werden in kurzer Zeit an dem eisernen Verkehrsstrom die Preise der Arbeitskräfte in demselben Grade steigen, als sie abseits davon fallen, es wird dadurch die Konkurrenz der „Binnengeschäfte“ mit den „Stromgeschäften“ abermals möglich, aber gerade deshalb muß dem Lokalverkehr der Weg zum Weltverkehr offen erhalten werden! Denn – „wenn der stockende Lokalverkehr das Land herab-, der blühende Weltverkehr die Städte in die Höhe zieht, so wird unsere ganze Kultur ein schiefes Gesicht bekommen“ – hat schon 1852 ein kluger Mann behauptet. – Für die Nothwendigkeit des eifrigsten Straßenbau’s zu den Eisenbahnen spricht aber noch ein anderer Umstand: die bessere Rentabilität der Bahnen überall, wo tüchtige Staats- und Gemeindewege Volk und Regierung das Zeugniß der Reife für die neuesten Verkehrsfortschritte ausstellen. Dieser Umstand erregt in uns die Hoffnung, daß die Männer des Eisenbahnen bauenden Kapitals aus Rücksicht auf ihr eigenes Interesse sich zu der Ansicht erheben müssen, es sei ihre Pflicht, den Gewinn dieser reich lohnenden Unternehmungen nicht einzig und allein in ihre Tasche zu stecken, sondern einen Theil davon für Herstellung und Erhaltung von Eisenbahn-Seitenstraßen zu verwenden.

Solche Straßen haben stets die möglichst-kurze Linie nach den nächstgelegenen Bahnhöfen zu durchmessen. Diese bilden die Koncentrationspunkte des Landes- oder Provinzialverkehrs, je nach der Wichtigkeit ihrer Lage und der Größe des Landes. Man unterscheidet bekanntlich Bahnhöfe 1. und 2. Klasse. Letztere enthalten alle Einrichtungen, wie die Hauptbahnhöfe, nur in kleinerem Maßstabe. Die Hauptbahnhöfe, meist nur in großen Haupt-, Handels-, oder in Residenzstädten errichtet, nehmen immer einen großen Raum und bedeutende Kosten in Anspruch, letzteres besonders, seitdem es Sitte geworden ist, sie zu den öffentlichen Prachtbauten zu zählen und mit Luxus auszustatten.

Der Bahnhof, welcher uns zu unserem Ausflug veranlaßt hat, nimmt den Platz des ehemaligen Schützenhauses vor dem Karlsthore zu München ein. Bürklein baute ihn 1847–1849. Durch prachtvolle Holzkonstruktion und Größe imponirt die Einsteigehalle; sie hat eine Breite von 98 und eine Länge von 378 Fuß. – Betrachte Dir ihn recht, es wird noch unermeßliches Leben durch ihn fluthen. Nur noch wenige Jahre, und aus seiner mächtigen Halle fliegt der Eilzug mit Dir in zwei Tagen nach Paris und in einem Tage, ganz nach Deinem Herzensgelüste, gen Wien oder Mailand, oder in unsere Thüringerberge oder nach Venedig, magst Du nun ein goldiger Herr oder ein zerrissener Handwerksbursche sein. Dann sage, ob’s nicht wahr ist:

Faust’s Mantel ist Dir zur Verfügung gestellt
Und Sturmeswehen!