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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Wir eilen zum Ende. Cuba’s Befreiungsplan ward unrein, sobald die erste Yankeehand ihn betastet hatte. Aus begeistertem Kampfe für eines Volkes Glück ward ein berechnetes Geschäft zur Erwerbung und Ausbeutung desselben. Lopez ging auf dies Geschäft ein, er verpfändete das Glück der Cubaner an die New-Yorker Cuba-Spekulanten und setzte sich zu Schiff, um den Dividendenkönigen der Union die schönste und reichste Insel der amerikanischen Meere zu erobern. Im Herzen mochte er anders denken, andere Pläne hegen, andere Ziele verfolgen, vielleicht sehr antidividendische; aber die Welt sah es so, die Pfaffen predigten es so, das Volk glaubte es so, und das Schicksal strafte es so. – Nachdem Lopez schon im Mai 1850 einmal, aber ohne nachhaltigen Erfolg, Cuba mit einer Flibustierschaar betreten hatte, unternahm er 1851 seine zweite und letzte Expedition. Mit 600 Mann, von den 5000, die für ihn bereit gestanden haben sollen, landete er an der Küste von Morillo, am 13. August. Schon am folgenden Tag stieß er bei Las Posas, dem Gegenstande unserer Stahlplatte, auf spanische Truppen unter dem General Enna, den er in einem glücklichen Doppelgefecht schlug; viele Spanier bedeckten todt oder verwundet das Schlachtfeld. Während dieser Siege war eine andere Flibustierabtheilung von 52 Mann unter Oberst Crittenden gefangen und noch am 16. mit Pulver und Blei in Havannah hingerichtet worden: ein Schreckensmittel, das auf das Volk noch mächtiger wirkte, als der drohende Mahnruf der Geistlichkeit. Am 17. brach Lopez von Las Posas auf, schlug die Spanier bei Pinar del Rio, wo Enna fiel, dann auf den Höhen von Condelaria und, schon rings von feindlichen Kolonnen umstellt, bei Frias. Nach diesem Siege zählte sein Häuflein noch 220 Mann, die am 21. Morgens bei Maritorena, in den Gebirgen von Rosario, vom Regiment Corunna überfallen und mit dem Bajonnet auseinander gesprengt wurden. Das war das Ende der Expedition. Es folgte nur noch das Einfangen und Hinrichten der Umherirrenden. Lopez selbst schlug sich mehre Tage in den Wäldern herum, von Wurzeln und Kräutern lebend, bis er endlich, zum Tode erschöpft, von einem Haufen Bauern gefangen und den Truppen überliefert wurde, die, auf Seitenwegen marschirend, um den Andrang der von allen Seiten beiströmenden Menge der Neugierigen zu vermeiden, am 31. August mit ihm die Hauptstadt erreichten. Den Generalkapitän Concha spornte die Hast der Angst und Rache: schon am nächsten Morgen früh um sieben Uhr endete General Lopez am Fuße des Forts de la Punta durch die Garotte. Ein Mann und Held bis zum letzten Augenblick im Kämpfen und im Leiden, sprach er sein letztes Wort mit festem Herzen: „Ich sterbe für mein geliebtes Cuba!“ –
Narciso Lopez ist todt. Wird für Cuba je die Zeit kommen, wo es diesem Todten eine Ehrensäule setzt? – Welche Frage! – Hat denn Huß ein Denkmal? – Blickt auf Luther und Washington hin! Die Nachwelt begeistert sich nur für Siege und ist nur dankbar für Erfolge.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/98&oldid=- (Version vom 26.12.2025)