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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Klasse von Menschen, die Lust an Abenteuern nach der Mineralregion führt, wo sie auf kurze Zeit, ohne sonstige Anleitung als dem praktischen Nationalinstinkt der Amerikaner, ihr Glück unter der Erde versuchen, das die Oberfläche ihnen versagt. Bis vor wenigen Jahren, als das Gebiet noch Eigenthum des Staates war, durchwanderten diese Gesellen mit Schaufel und Hacke die ganze Mineralregion und wo gewisse Anzeigen eine „gute Aussicht“ versprachen, schlugen sie ein und begannen die Arbeiten auf eigene, oft einzige Faust. Gewöhnlich ließen sich aber solche unerfahrene „Prospectors“ durch falsche Anzeigen täuschen und verließen nach einigen Tagen ihre erfolglose Arbeit, um vielleicht in Entfernung von einigen hundert Schritten ihr Glück neuerdings zu erproben. Aus diesem Jahre langen habgierigen Durchwühlen des Bodens ohne Plan und Verständniß entstanden in der Umgebung von Dubuque und Galena maulwurfsartig aufgeworfene Sandhügel, welche in ihrer Verlassenheit dem Auge wie Gräber getäuschter Hoffnungen erscheinen.
In neuester Zeit, wo die ganze Mineralregion durch Verkauf der Regierung in Privathände übergegangen ist, welche stückweise an die Prospektors verpachten, hat diese Art von Raubbau einige Beschränkung erlitten, immerhin muß es Einen Wunder nehmen, daß auf die primitive Weise, wie jetzt noch der Bergbau dort betrieben wird, so lohnende und großartige Erfolge erzielt werden können. Gewöhnlich pachten 3 bis 4 Individuen zusammen, gegen Abgabe des 4. oder 5. Theils des gewonnenen Metalls, ein Stück Land, und mit keinem andern Kapital, als ihrem Unternehmungsgeist, ihrem Wetteifer und ein paar armseligen Werkzeugen gehen sie an’s Werk. Nach wenigen Tagen schon muß der Ertrag entscheiden, ob die Gewerkschaft ihre Nachgrabungen fortsetzen oder bankerott wird, denn die Meisten sind dermaßen entblößt von allen Mitteln, daß sie mit ihrem Brod auf die tägliche Frucht ihrer Arbeit angewiesen sind. Ein Reisender beschreibt einen ihrer Schachte, den er befahren, als 4–5 Fuß breit und lang und 50 Fuß tief. Er war nur durch ein an einer Winde befestigtes schlechtes Seil zugänglich, in dessen Schlinge der linke Fuß trat, während die Hände es oben umklammerten. Mit dem rechten Fuß mußte man beim Hinablassen die Felsen auspariren, gegen welche der am Seil schwankende Körper fortwährend anschlug. Wie ärmlich erscheinen solche Grabscheitversuche, die höchstens von ein paar alten wasserziehenden Mähren unterstützt werden, gegen die Bewirthschaftung der englischen Bleiminen, in denen allein eine Dampfkraft thätig ist, welche die Händearbeit von ¾ Millionen Menschen ersetzt!
Drei Dinge mangeln der Bleiregion am obern Mississippi, um ihren großartigen Metallreichthum gebührend nützen zu können: Kapital, billiger Brennstoff und tüchtige Bergleute. Namentlich ist’s das in den Prairien theuere Holz, welches die Ausschmelzung der Erze an Ort und Stelle so sehr erschwert; führt erst die in Dubuque mündende Eisenbahn billige Kohlen dahin, so wird sich das Uebrige von selbst finden.
Jetzt arbeiten ungefähr 3000 Hände in den Minen, welche den erstaunlichen Ertrag von 20,000 Tonnen
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/106&oldid=- (Version vom 4.1.2026)