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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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So wird die politische Moral vor Aller Augen geschändet, und dennoch scheut sich jede Partei, der Schlange auf den Kopf zu treten, aus Furcht, das einflußreiche Mittel zur Herrschaft im günstigen Fall selbst entbehren zu müssen. So sehr übertäubt dort bereits das Parteiwesen die öffentliche Stimme, daß in einer so wichtigen Frage wie dieser das allgemeine Rechtsbewußtsein nicht mehr zur Geltung kommen kann.
Von der höchst interessanten vergleichenden Statistik im amerikanischen Postwesen läßt uns der Raum nur wenige Zahlen erwähnen. Nach der Unabhängigkeits-Erklärung (1776) verwaltete Benjamin Franklin, der erste General-Postmeister, nur 75 Poststellen, mit einem Budget von 22,000 Dollars. 1814, bei Herabsetzung des Porto’s, war die Zahl der Postämter auf 3000 und die Revenuen des Staats auf 300,000 Dollars gewachsen. 1850 wurde abermals das Porto ermäßigt, und zählte man bereits 15,000 Postmeister und eine Einnahme von 5,495,000 Dollars. Seitdem sank das Porto auf das Minimum von 3 Cent für den Brief nach jedem Theil der Vereinigten Staaten und hat sich damit, bei den 27,000 Poststellen, die beförderte Korrespondenz verfünffacht und die Einnahme verdoppelt. Es spricht nichts beredter für das System billigen Porto’s sowohl, als auch für die wachsende Intelligenz und das Erkennen der geistigen Bedürfnisse in den Vereinsstaaten. Kein Land der Erde hat eine solche hohe Entwickelung seines Post-Verkehrswesens aufzuweisen. Wohl dem Volke, trotz alledem, das sich ihrer erfreut. –
Das Gebäude des General-Postamts ist eine der schönsten Zierden Washingtons. Es wurde 1841 aus weißem Marmor gebaut, der im Wetter eine gelbe Farbe angenommen hat. Die Kosten betrugen 600,000 Dollars. Es umfaßt 80 Bureaus, in denen 150 Clerks beschäftigt sind.
An der Ostküste von Sicilien, zwischen Catania und Messina, liegt die kleine Stadt Taormina, das alte Tauromenium der Römer, von dessen Blüthe, Reichthum und Größe noch weitläufige Alterthümer zeugen; das interessanteste darunter ist das Theater, von dem unser Stahlstich eine treue Abbildung gibt. Die umgebende Landschaft ist von klassischer Schönheit.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 107. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/117&oldid=- (Version vom 4.1.2026)