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Schloß Friedland in Böhmen.




„Er hat zu Gitschin einen schönen Sitz,
Auch Reichenberg, Schloß Friedland liegen heiter.
Bis an den Fuß der Riesenberge hin
Streckt sich das Jagdgehege seiner Wälder.“
  (Schiller.)

Wenn es auch mit der Ausgedehntheit der wallensteinschen Jagdgehege seine Richtigkeit hatte, war doch das Schloß Friedland zu Wallensteins Tagen nichts weniger als heiter gelegen. In einer düstern Gebirgslandschaft, umgeben von Waldesdunkel und von dem tückischen, unheimlich grollenden Gebirgsbach Wüttig im Halbkreis umspült, erhebt sich des Friedländers Schloß auf einem schroffen unwegsamen Basaltfels; finster schauten seiner Zeit die hohen drohenden Zinnen, die fensterarmen Thürme, die schwarzgrauen, mit Rustiken verbrämten Schloßmauern, die niederen vergitterten Thorfahrten herab auf eine an Bewohnern arme Gegend, denn die Besitzergreifung Wallensteins vertrieb große Schaaren eifriger Protestanten aus ihrer dortigen Heimath. Jetzt freilich sieht Friedland freundlicher aus. Helle Tünche und Restauration verdecken das düstre Antlitz des Baues, neue umfangreiche Theile in späterem Style sind zugefügt, die lichtende Axt hat dem umgebenden Wald die ältesten Eichen und Fichten geraubt, rings bebaute Bergkuppen, lichte, sonnige Hügel, Obstgärten, üppige Saatfelder, beblumte Wiesen, nahe bei das gewerbthätige, erst kürzlich aus der Asche neu erstandene Städtchen Friedland, und in der Ferne die Konturen des Isergebirges umrahmen ein Bild, welches den Schauplatz der wallensteinschen Hofhaltung, das dunkle Versteck, in dem der gewaltigste Schwertführer der katholischen Kirche Vergessenheit suchte für die erlittenen Kränkungen, die geheimnißvolle Werkstätte, wo der erkorne Günstling der Sterne seine von unersättlicher Ehrsucht eingegebenen Plane schmiedete und in nächtlicher Weile in den Bahnen der über seinem Haupte kreisenden Planeten die Schicksalsgeleise für seine Zukunft suchte, nicht mehr erkennen läßt.