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das Kreuz auf den Zinnen der Thürme zu dem Halbmond des Mohammed sich rundet, daß man an Stelle der starken erenelirten Festungsmauer mit der russischen Besatzung die alten hölzernen Bastionen sich denkt, von fanatischen Tataren gegen die Armeen Iwans vertheidigt. Während man auf dem Dampfboot die Wolga hinab schwimmt durch die unabsehbare Steppe, jetzt das Todtenfeld der tatarischen Geschichte, und je mehr man sich Kasan nähert, um so weniger wird der Geist abgezogen von der Betrachtung der Vergangenheit, um so freier ergeht sich die Einbildungskraft in den glänzenden Bildern, welche einst diese Einöde belebten. Und hat man das moskowitische Kasan durchwandert, so gelangt man in eine andere wirklich tatarische Stadt, mit einer abgeschlossenen Bevölkerung, die Charakter, Sprache, Sitten, Physiognomie, Religion und Tracht unversehrt erhalten hat. Sollte darum Kasan nicht noch den Namen der Tataren-Stadt verdienen?

Verfolgen wir in raschen Schritten die Bahn der Ereignisse, welche Kasan in der Reihe der osteuropäischen Städte zu so großer Bedeutung erhoben und zu der Entwickelung des mächtigen Russenreichs beitrugen.

Der Name der Tataren tritt erst mit Dschingis-Khan, als derselbe China verheerte und das gewaltige Mongolenreich stürzte, aus dem Dunkel der Geschichte. Dieser Fürst, mit den zahlreichen unterjochten Völkern im Gefolge, zog um einen großen Theil des Erdkreises mit Blut und Feuer eine Siegesbahn, welche die Grenze des neugeschaffenen Tatarenreichs bildete. Dieselbe Hand löschte, wie der Mongolen, so der übrigen unterjochten Stämme Namen und Sprache aus, so in der kleinen und großen Bulgarei, im Land der Baschkiren, der Tschuwachen, in der Krim, in Kuban, und machte das Tatarenthum zur allerwärts herrschenden Nationalität. Nach Rußland brachte Batu-Khan, der Enkel Dschingis-Khans, zuerst das Schwert und den Namen der Tataren. Er gründete mit seinen großen Eroberungen im Anfang des 13. Jahrhunderts das unermeßliche Reich von Kaptschak, welches lange Zeit den ganzen Norden Asiens, Rußland, Polen, bis zu einem Theil Deutschlands und Ungarns unter seinem Scepter vereinigte. An den Ufern der Wolga baute er seine Residenz, Sarai, und war der erste Khan der „goldenen Horde“. Innere Kriege und Empörungen drohten dem Reiche den Untergang, bis Tamerlans Kriegsglück es wieder auf kurze Zeit vereinigt und sogar vergrößert sah. Unter dessen Nachfolgern brachen jedoch neue Fehden aus und die goldene Horde trennte sich in die einzelnen Khanate von Kasan, Astrachan, der Krim und Kaptschak. Letzteres fiel wieder den Uebrigen zur Beute, und noch beherbergen die Stämme der Baschkiren und Kirgisen kenntliche Trümmer der sie früher beherrschenden Nation. Das Khanat von Kasan bestand bis 1552, der Eroberung Iwans IV. Das von Astrachan erlag wenige Jahre später denselben siegreichen Waffen; das der Krim allein erhielt sich aufrecht bis 1783; seine Unterwerfung verherrlichte die Regierung Katharina’s II.

Die Erbauung Kasans wird Batu-Khans Nachfolger, Sain, zugeschrieben. Er wählte den Platz für die neue Hauptstadt seines Reichs, wie die Städte-Gründer des Alterthums Theben, Memphis, Baalbek gründeten,