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Platz und wußten die Schäden an ihren Befestigungen wieder herzustellen. Mit Schrecken fühlte die Armee den Winter nahen; es mußte die Entscheidung beschleunigt werden. Iwan bestimmte den 1. Oktober zum Tag derselben. Alle Minen waren bereit, mit einem Mal sich zu entladen. Der Czar und mit ihm das ganze Heer empfingen am frühen Morgen den priesterlichen Segen und genossen den Leib des Herrn. Noch einmal ergeht an die Einwohnerschaft von Kasan die Aufforderung, sich zu ergeben, noch einmal wird sie zurückgewiesen mit den stolzen Worten: „Entweder werden die Mauern von Kasan unser Grab, oder wir befreien sie von der Belagerung“; – dann erst erfolgte der Befehl zum Sturm.

Hell und rein erglänzte der Himmel über dem bevorstehenden Schauspiel. Die Kasanesen erwarteten gerüstet auf den Wällen den Angriff. Die Russen standen noch im Schutz der Laufgräben. Die Fahnen beider flatterten ungeduldig im Wind. Der Czar befand sich beim Gottesdienst. Da, im Moment als die Liturgie begann: „Es wird nur ein Hirt und eine Heerde sein“, erbebte die Erde, Schlag auf Schlag fiel, der Himmel verfinsterte sich, auf flogen Blitze, Rauchsäulen, Erdschollen, Steine, Menschenglieder, im gräßlichsten Gewühl, und als die Sonne auf das Werk der Zerstörung wieder niederschaute, würgten sich die Heere unter und auf den Wällen, in den Breschen, über den Schutthaufen, und ras’te der Tod in tausenderlei Gestalt. Der Czar hielt hoch zu Roß auf der Ebene, da begrüßte ihn schon das wehende Kreuzesbanner von der Tataren-Veste.

Doch mitten im Sieg drohte der Untergang. Kasan enthielt große angehäufte Reichthümer, erworben im Handel mit Asien. Anstatt ihren Sieg zu verfolgen, überließen sich die Russen zu früh der Gier nach Beute. Selbst die Offiziere ließen sich fortreißen. Die stürmende Armee löste sich in wilde, trunkene, plündernde Haufen auf; viele warfen die Waffen weg, um sich mit den Kostbarkeiten, die sie in den Häusern und Magazinen fanden, zu beladen. Die Kasanesen nahmen den Moment der Verwirrung wahr, sammelten sich und trieben die Plünderer zu Paaren. Mit einem Male schien sich Alles, von dem erneuten Angriff bestürzt, in wilde Flucht aufzulösen. Da erschien der Czar mit seinen 20,000 berittenen Garden an den Thoren der Stadt, warf sich den Fliehenden entgegen, und von Neuem begann das Stürmen, Schlachten, Wüthen. Die nach heldenmüthiger Gegenwehr abermals geworfenen Tataren setzten sich im königlichen Palast fest und vertheidigten diesen ihren letzten Zufluchtsort mit unbezwinglicher Hartnäckigkeit. Dem Ungestüm der Russen gelang es endlich, die Thore zu sprengen; sie eröffneten den Eindringenden ein ergreifendes Schauspiel: die Frauen und Töchter der Vornehmen der Stadt, reich geschmückt, harrten hier dem Tode entgegen. Entfernt von ihnen stand das letzte Häuflein Streiter, ihren Fürsten in der Mitte. „Hört, Kasan ist in euren Händen, wir überliefern euch seinen Herrscher unverletzt; führt ihn zu eurem Czaren; uns aber fordert das Vaterland als letzte Opfer“.