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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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So berühmt auch Friedland durch den großen Albrecht von Waldstein[1] geworden, so groß und imposant sich Friedlands stolzer Bau erhebt, so arm und klein ist dessen Geschichte. In sagenhaftem Nebel sehen wir an der Stelle des jetzigen Schlosses einen hohen festen Thurm sich erheben, zur Schirmung wehrloser Reisender vor den in der Umgebung hausenden Rittern vom Stegreif. Indica, gleichsam „Wegweiser“, hieß der Thurm und soll noch die Substruktion der jetzigen Hochwarte der Burg bilden. Seit dem 13. Jahrhundert erscheint das Geschlecht der Biberstein auf Friedland, beinahe 300 Jahre lang dort ansässig; sie wurden, als die Stürme der Hussitenkriege durch das Land brausten, von Belagerung, Mord und Brand mehrfach heimgesucht. Zur Zeit der Reformation hatte ein anderes Geschlecht, und aus diesem der in Böhmen vielgenannte Melchior von Redern Friedland inne. Ein eifriger Bekenner Luthers breitete er dessen Lehre auf seinen Besitzungen aus, zog als Feldmarschall seines Kaisers Rudolf II. gegen die Türken und fiel bei Peterwardein als ein Held. Seine Nachkommen hielten zu den aufrührerischen Ständen Böhmens, und nach der für ihre Sache unglücklichen Schlacht am Weißen Berg, trieb sie die kaiserliche Acht in die Fremde und Vergessenheit. Im Jahr 1622 ward mit der konfiscirten Herrschaft Friedland der damalige Kriegsoberst Wallenstein belehnt. Bald folgte der Herzogstitel von Friedland, sowie von Mecklenburg, Sagan und Großglogau, mit ausgedehntem souveränen Länderbesitz. Wallenstein zwang seine Unterthanen zur katholischen Gegenreformation, reizte zu Aufständen des Landvolks und vertrieb viele davon vom friedländischen Gebiet. Seinem Kaiser gefährlich dünkend, von seinen Neidern verleumdet und durch die Kurfürstenversammlung des Ungehorsams angeschuldigt, zog sich Wallenstein grollend und in scheinbarer Resignation vom Schauplatz seiner Kriegsthaten auf Friedland zurück. Während er sich da mit dem Glanz königlicher Hofhaltung und dem Prunk geräuschvoller Feste umgab, behielt er aufmerksam die Fäden der Politik in der Hand, empfing und entsandte geheime Botschafter von und nach den Höfen und Armeen, und schürzte den Knoten der Verwickelungen und Verlegenheiten, den nur sein Schwert zu durchhauen vermochte. Dabei arbeitete er emsig an der Befestigung und Konsolidirung seiner Macht und an der Regelung seines Staatshaushalts. Friedland ward der Hauptort seines weitläufigen Besitzkomplexes, der Sitz seiner Regierung und befand sich am Wendepunkte seines Glanzes. Die höchste Staffel seiner Macht und die noch kurze rasch aufsteigende Bahn seines Ruhmes erstieg Wallenstein unter Waffengetöse und fern von seinen Besitzungen. Wohl mochten seine weitausgreifenden politischen Anschläge und die ebenso abenteuerlichen wie geheimnisvollen Pläne seiner unbezähmbaren Ehr- und Herrschsucht nicht ohne Beziehung zu der sorgfältigen Pflege gestanden haben, welche er unter den erschwerendsten Umständen der Vergrößerung und der Ausbildung seines Privatbesitzes angedeihen ließ.
- ↑ Den Urkunden gemäße Schreibart des Namens.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/13&oldid=- (Version vom 2.1.2026)