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Trapezunt.




Kolchis, du Land der wundersamen Mähr, du Heimath der Rebe und Frauenschöne, keine Argo führt mehr abenteuernde Helden, mit Lyra und Schwert, über den sturmvollen Pontus nach deinen Gestaden, die goldlockende Mündung des Phasis ist versandet und deine großen blühenden Städte, die sonnige Residenz des Königs Aëtes, das weithin strahlende Trapezos des Mithridat, – wer fragt in Europa noch nach Trapezunt, nach der verblichenen Herrlichkeit der Komnenen, wer noch nach der goldenen Wolle der kolchischen Widder? Letztere haben türkische und russische Scheren so gründlich abgeschoren, daß sie längst unterlassen hat nachzuwachsen, Argonautenfahrten sind außer Mode gekommen, seit im maritimen Kriminal-Codex der Strang auf Seeräuberei steht, der Ruhm so edler Piraten, wie Jason, Theseus, Orpheus, Castor und Pollux, den ein blinder Leiermann vor 3000 Jahren der Welt verkündete, hat nur noch auf Jahrmärkten und Kirmessen Kurs, ungastlich ist’s für den „Giaur“ an jenen Küsten geworden, wo keine „melodische“ Circe „im silberhellen Gewand mit goldschimmerndem Gürtel“ mehr den silbernen Krug kredenzt, wie sie’s dem greisen Irrfahrer aus Ithaka gethan, und Homer’s göttliche Lyra tönt uns lieblicher aus den Blättern von Voß’ metrischer Uebersetzung, als aus den Lorbeerhainen einer mingrelischen Landschaft. Außer hie und da einem deutschen Professor, dem keine Mühe zu heiß, kein Weg zu lang, keine Geduld zu groß und kein Erfolg zu klein erscheint, wenn es gilt, einer verblichenen Jahrzahl oder Inschrift nachzuspüren, verirrt sich selten ein Tourist auf jenen klassischen Boden, und auch nur einem solchen verdanken wir Bild und Schilderung der alten Komnenenstadt, nur einem solchen erklang im Morgengrau eines Augusttages der Ruf: „Trabisonda!“ vom Verdeck eines türkischen Dampfers so sirenenhaft musikalisch und verlockend, daß er vom Lager sprang, das zauberhaft verschleierte Bild des über Schluchten und Klippen ausgegossenen Häusermeers einsog und, sobald die Anker niederrasselten, der Erwartung und Wonne voll sich hinein versenkte, um uns einen wenn auch nur matten Abglanz seiner eigenen Eindrücke zu hinterlassen.