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Wenn man vom Strande, wo die Barke landet, den steilen Höhenzug erstiegen hat, tritt man auf einen weiten, grasbewachsenen und rings mit niedrigen, halbverfallenen Wohnhäusern und Schuppen, mit Brunnen und Gartengemauer umgebenen Platz, der schon zur Zeit der Komnenen den persischen Namen Meydan trug und heute noch zur Niederlage aller nach Iran bestimmten europäischen Kaufmannsgüter, als Sammelplatz sämmtlicher Maulthiertreiber des Orients und als Aufenthaltsort des persischen Konsuls dient. Von hier aus laufen enge, roh gepflasterte Steinwege nach allen Richtungen durch die gartenreiche Vorstadt, links bergan zu einer zweiten Terrasse mit Häusern, Kornfeldern und Gärten, rechts hinab durch das Griechenviertel zum Meere, geradeaus an Gartenmauern, Felspartien, Bazars und dicht gedrängten Häusermassen vorüber nach der Citadellenstadt, dem eigentlichen Trapezunt. Mehr noch, als in anderen türkischen Städten, sind Charakter der Bauart und Anlage der Straßen von den europäischen verschieden. Die Häuser selbst sind durch eine einförmige, fortlaufende Straßenmauer dem Anblick der Vorübergehenden entzogen. Erst hinter diesem leeren bis zehn Fuß hohen Gemäuer sind die rings isolirten Wohnungen mit gepflastertem Hofraum, Ziehbrunnen und Baumgarten verborgen. Eine einzige Thüre in der klosterähnlichen Mauer öffnet und schließt das Familienheiligthum. So soll auch das alte Athen gebaut gewesen sein. In der Regel sind die Gassen von Trapezunt nicht breiter als sechs bis acht Fuß, bisweilen noch enger, aber bei aller Vernachlässigung durchweg mit trefflichem Material gepflastert und wenigstens auf einer Seite mit Trottoirs versehen. Der tiefer liegende rinnenartige Mittelweg ist für die Lastträger, die Saumthiere, für das ablaufende Regenwasser oder lebendige Bäche bestimmt. Auffallend ist das absichtliche Vermeiden jeder Symmetrie oder gar äußerer architektonischer Eleganz. Je trauriger und langweilender der Eindruck auf den Vorübergehenden, desto lieber scheint’s dem Besitzer; er will allein bleiben in seiner Ruhe und seinem Genuß. Selten sieht man mehr als ein Stockwerk auf den Wohngebäuden; am häufigsten sind sie nur Erdgeschosse, so daß manche Straßen nichts als braune Ziegeldächer, hier und da ein stumpfes byzantiner Thürmchen ohne Glocken, überall aber hervorragende Baumwipfel, wiegende Cypressen und über das Gemäuer hinaus rankende Feigen, Reben und Epheu zeigen. Indeß lassen die Lage der Stadt, das Wechselvolle ihrer Steilabhänge, ihrer felsigen Vorsprünge, ihrer Thalrisse und terrassig ansteigenden Plateaus, ihre Schatten und die erquickenden vom Pontus heraufwehenden Lüfte den Gedanken an die melancholische Einförmigkeit der trapezuntischen Bauart nicht aufkommen.

Eine solche Lage ist nur anatolischen Städten eigenthümlich. Die ganze Halbinsel ist ein hohes, von wilden Gebirgsketten und traurigen, verbrannten, baumlosen Flächen durchstrichenes Tafelland, das südlich gegen das Mittelmeer abfällt, im Norden aber sich stufenweise in einem lang hingezogenen, vom Phasis bis