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Bithynien herausreichenden, häufig von Querthälern und tief eingeschnittenen Wasserrinnen durchbrochenen Waldgürtel von wechselnder Breite und voll der seltsamsten Terrainbildungen und Verzackungen, die auf Bau und Anlage der Wohnplätze einen wesentlichen Einfluß üben, zum schwarzen Meere herabsenkt. An den Mündungen größerer Ströme, wie des Halys, des Iris, des Pyrites, gibt es zwar Niederungen und Flußdelta’s, die aber, gegen die Gewohnheit der übrigen Länder, unbebaut bleiben. Ueberall hat man zur Anlage von Ortschaften Berghalden, schroffe Vorsprünge, die Hüften in’s Meer hinauslaufender Erdzungen, oder jene eigenthümlichen Fels-Parallelogramme gewählt, die man nur auf der Pontusküste von Kleinasien findet.

Ohne eine klare Versinnlichung dieses tafelförmigen Fels-Trapezes kann man sich die romantische, zur byzantinischen Zeit fast unbezwingliche Lage von Trapezunt kaum vorstellen. Es ist dieses Plateau eine wunderbare Schöpfung, wie Alamut, die Felsenburg der Assassinen, oder das ehemalige Constantine der Berbern. Die Fläche des Citadellen-Parallelogrammes ist, gemäß der allgemeinen Neigung des Küstenterrains, gegen das Meer absteigend und in zwei Quartiere, ein höheres und ein tieferes, geschieden. Das höhere, unebenere, unmittelbar aus dem Bergrücken herauswachsende überragt die höchsten Gebäude der untern Citadelle. Die Spitze jenes höheren Plateaus aber wird wieder von dem alten Kaiserpalaste, der eigentlichen Akropolis, eingenommen, die über alle übrige Stadttheile weit hinaus in’s Meer blickt. Das ist die alte Doppelburg des Xenophon und Justinian. Der Isthmus, welcher sie mit dem Bergrücken verbindet und für feindliche Gewalt den einzigen Zugang bildet, ist kaum zwanzig Fuß breit, von der Stadtseite durch einen großen, freistehenden, grotesk über die Mauer hinaufragenden Thurm vertheidigt, zu beiden Seiten aber von tiefen Abgründen gesichert. Diese imposanten natürlichen Festungsgräben sind voll dunklen Grüns, voll Quellen, voll hochwüchsiger Bäume, über deren Wimpel in kühnem Bogen eine schmale Brücke überspringt. Besonders prachtvoll ist die Schlucht auf der Abendseite, unmittelbar unter dem rund aufgethürmten baum- und quellenreichen Thalschlusse und dem Fuße des buschbewachsenen Burgfelsens, von dessen oberster Spitze in 300 Fuß senkrechter Höhe über dem Schattendunkel des Abgrundes der Komnenenpalast und die großen leeren Bogenfenster des Kaisersaals niederschauen. Hier ist die Schloßmauer zugleich Festungsmauer, die in abenteuerlichen Zügen, altersgrau, verwittert und stellenweise ganz mit Reben überzogen, den Krümmungen, Senkungen, Hebungen und felsigen Aussprüngen des Tafellandes folgend, das alte Trapezunt umschließt. Welch seltsam schönen Anblick gewährt diese grün berankte, steil von der oberen Burg zur unteren herabsteigende Mauer mit ihren schwarzen Thürmen im Abendschein von der Brücke aus betrachtet, die von der Westseite der Festung über den Abgrund führt. Nur der Eingeborne, namentlich der Osmanli, geht theilnahmlos vorüber und begreift den Fremden nicht, der da in Schauen und Sinnen versunken stehen