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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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den hundert Thoren, Jerusalem, Balbeck, Karthago, der palatinische Hügel und das neue deutsche Athen mit seiner Säulenpracht, demselben Loos der Vergänglichkeit verfallen, wie die Kaiserburg in Trapezunt.
Einst wird kommen der Tag, da die heilige Ilios hinsinkt,
Priamos auch und das Volk des lanzenkundigen Königs.
Genau bekannt ist hier, wie im Orient überhaupt, nur die Zahl der Haushaltungen, nicht der Seelen, und folglich auch die der Häuser, da jede Familie unter eigenem Dache wohnt. Nach zuverlässigem Ueberschlag zählt Trapezunt 5800 Häuser, die ungefähr 33,000 Seelen beherbergen. Von diesen 5800 Familien zählen kaum 100 zu der armenisch-katholischen Kirche, 300 zu National-Armeniern, 400 zu byzantinischen Griechen, die übrigen alle zu den Türken. Großer Abneigung nicht nur von Seiten der Türken, sondern auch der christlichen Griechen und Armenier sind die Franken ausgesetzt, die seit Eröffnung der pontischen Dampfschifffahrt in direkte Beziehungen zu Trapezunt getreten sind. „Sie nehmen uns Alles vom Munde weg“, schrie Alles. Zeit und mehrjähriger Verkehr haben freilich die Gemüther einander näher gebracht, aber eine europäische Einsiedelung, wie sie in der gegenüber liegenden Krimm Statt findet, wäre in Kolchis nie durchzuführen. Obwohl die Wälder über alle Vorstellung prachtvoll, der Boden unerschöpflich fruchtbar, die Gebirge metallreich, die Bevölkerung überall spärlich ist, entzündet im unfreundlichen Kolchier der bloße Gedanke, die ungenügten Segnungen einer überschwenglichen Natur mit kunstreichen Fremdlingen zu theilen, bitteren Groll. In wenig Jahren, heißt es, würden diese Giaur mit Hülfe ihrer Arbeitsamkeit und überlegenen Einsicht die Eingebornen an Reichthum und folglich auch an Macht und Ansehen übertreffen. – Schon Prometheus warnt ja die aus Europa flüchtende Jo vor den metallschimmernden Kolchiern: „sie seien unholde, an Fremde sich nicht anschmiegende Menschen, vor denen man sich hüten müsse“. Jammerschade, daß diese herrlichen Küstenstriche des schwarzen Meeres noch in solchen erbärmlichen Händen sind.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 130. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/140&oldid=- (Version vom 5.1.2026)