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Der Hradschin.




Wir müßten eine Geschichte Böhmens hier folgen lassen, wollten wir dem Ansehen dieser uralten Königsburg gerecht werden und unsern Lesern neben dem Blick auf ihre Mauern und Thürme eine Rundschau in den gefüllten Schatz ihrer Erinnerungen und Erlebnisse gönnen, denn wie um ein leuchtendes Gestirn sammeln sich um die Zinne des Hradschin die Strahlen, welche hinab in das Dunkel der Vergangenheit Böhmens fallen; bis zu der Gründung Prags, bis zur Seherin Libusa reicht seine Geschichte. Mit allen Ereignissen des Böhmenreichs ist er in enger Berührung; der Herrschersitz seiner edelsten Geschlechter, der Preis aller Kämpfe, der Zeuge aller Größe und alles Unglücks, was über das Czechenland noch gekommen, steht der Hradschin als die eigentliche Landesmetropole und als das unvergängliche Symbol der Macht, von welcher die Geschicke des großen Böhmenvolkes ausgegangen sind.

Wir müssen uns auf eine Aufzählung der Hauptphasen beschränken, welche die alte Königsburg betroffen, und entnehmen diese einem größern Artikel der prager Zeitschrift Bohemia, welcher nach dem Schloßbrand im Jahr 1855 erschien:

Die erste Gründung der Burg auf dem Hradschin fällt mit der Gründung Prags zusammen, jedenfalls vor das Jahr 750, während der nachbarliche Wysehrad sich eines noch höheren Alters rühmen darf. Die Gründerin des Hradschin war die fürstliche Seherin Libusa, welche in Prag im Geiste eine Stadt erstehen sah, deren Ruhm zu den Sternen reichen sollte, und über dieser neuen Ansiedlung eine Burg erbauen ließ.

Die ersten christlichen Regenten des Landes hielten sich nur zeitweilig auf dem Hradschin auf, ihre eigentliche Residenz blieb der Wysehrad. Unter Herzog Wratislaw, dem Vater des heiligen Wenzel, belebte sich das Innere der Hradschiner Burg durch die Erbauung der Kollegiatkirche St. Georg, und unter Wenzel dem Heiligen durch die dem heiligen Veit geweihte Rotunda, aus welcher später der jetzige großartige St. Veitsdom entstand. Derselbe Herrscher erbaute eine neue herzogliche Residenz und verbesserte die bisherige Befestigung