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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Säle überhaupt ist. Der Werkmeister des Wladislaw’schen Burgbaues, von dem sich noch ein stattlicher Flügel und zwei Säle erhalten haben, war der geniale Benes von Laun. Wladislaw’s Sohn und Thronerbe, König Ludwig, der letzte Jagellonide und dessen Schwager und Nachfolger Ferdinand I. residirten auf dem Hradschin, und der Königshof in der Altstadt verfiel zusehends.
Am 2. Juni 1541 brach in der Kleinseite jener fürchterliche Brand aus, welcher diesen Stadttheil großentheils einäscherte und zum Unglück auch die königliche Burg ergriff und verheerte. Die königlichen Wohnzimmer mit allen Schätzen und Seltenheiten, die Regierungslokalitäten mit allen Akten und Archiven, und zum unberechenbaren Schaden des Landes auch die Landtafel wurden ein Raub der Flammen; der St. Veitsdom, die Kirche und das Kloster St. Georg, die Allerheiligenkirche erlitten furchtbare Verheerungen; eine große Anzahl von Privatgebäuden und Häusern der Herren und Ritter, welche in und an der Burg standen, verbrannten bis auf den Grund, sehr viele Menschenleben gingen durch die bei der großen Dürre noch durch einen starken Wind genährten Flammen und den erstickenden Qualm zu Grunde. Ferdinand I. ließ den Schaden durch geschickte Baumeister nach Möglichkeit wieder ersetzen. Ihm verdanken der Schloßgarten, die Staubbrücke und das herrliche Lustschloß am Volksgarten die Entstehung, das er seiner Gemahlin Anna, der Schwester des letzten böhmischen Jagelloniden Ludwig, zu Ehren erbaute. Die glänzenden Turniere, die schon Wladislaw, so lange er Geld hatte, kultivirte, fanden unter Ferdinand nicht selten in dem großartigen Wladislaw’schen Saale Statt.
Größern Aufschwung noch nahm das Prager Schloß unter Rudolf II.; es ward zum Schatzkasten der mannichfaltigsten Kunstwerke, Antiquitäten und Seltenheiten: nicht mit Uebertreibung nannte man es damals das „achte Wunder der Welt“ und den Kaisergarten einen „unvergleichlichen Lustort der Feen“. Die stattlichen, zum Theil jetzt noch erhaltenen Lustgebäude jenseits der Staubbrücke, die Reitschule, die Ballhäuser, die Löwen- und Thierzwinger entstanden durch Rudolf II. und die Sehenswürdigkeiten seines Gartens überragen jegliche Beschreibung.
Die rudolfinische Epoche ist für Prag unvergeßlich. Die Burg war damals der Mittelpunkt eines großartigen, wahrhaft kaiserlichen Hofstaats und zahlreicher fremder Gesandten und Agenten, auf dem Hradschin hatte die Reichshofrathskanzlei ihren Sitz und glänzende Feste versammelten den einheimischen und fremden Adel im Wladislaw’schen Saal, in den Burghöfen, im Turnierhause und in den beiden Ballhäusern des Königsschlosses, bis Rudolf in jene ängstlich brütende Melancholie versank, welche seine Studien und Versuche in der Alchymie, aber auch zugleich seinen Sturz beförderte. Unter den Gelehrten, welche theils mit dem Kaiser in dieser Burg verkehrten, theils ihm die Produkte ihres Geistes widmeten, waren ein Tycho Brahe, ein Keppler, Thaddäus von Hajek, Adam Huber von Riesenbach, Ritter Adam Zaluzansky
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 140. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/150&oldid=- (Version vom 5.1.2026)