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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Schlimmer ging es bei der fürchterlichen, aber vergeblichen Belagerung Prags durch Friedrich den Großen (1757). Auf den Hradschin war das mörderische Feuer der meisten preußischen Batterien gerichtet, und der ehrwürdige Domthurm das Hauptziel derselben. Man kann den Schaden ermessen, welcher der Prager Burg damals zugefügt wurde, wenn man weiß, daß 22,000 Kugeln auf die St. Veitskirche geschleudert worden waren; 770 davon lagen in der Kirche, und das Kirchendach war an 215 Stellen durchlöchert. Die königliche Residenz, der spanische Saal und die meisten übrigen Gebäude, namentlich das Damenstift, waren übel zugerichtet. Das Hofopernhaus jenseits der Staubbrücke hatten am 8. Juni 1757 preußische Bomben, deren an diesem Tage 2059 geworfen wurden, in Schutt und Asche gelegt.
Eine gründliche Restauration der Prager Burg ergab sich als eine dringende Nothwendigkeit und wurde in ausgreifenderer Weise ausgeführt, indem man die von Ferdinand I., Mathias und Ferdinand III. restaurirten Flügel in architektonischen Einklang brachte, die alten, erhaltenen Theile, die Landtagsräume, den spanischen und deutschen Saal und den interessanten Wladislaw’schen Bau aber in ihrer alten Gestalt beließ. Dieser Bau wurde 1774 beendet. Der spanische und deutsche Saal wurden 1783 restaurirt, mit Fresken und zahlreichen Lustern geziert, und noch in demselben Jahre mit einem Hofball eröffnet, welcher 16,000 Gulden kostete. Unter Karl VI. und der Kaiserin Maria Theresia wurde leider eine Menge kostbarer Bilder aus der Prager Burg nach Wien und anderwärts fortgeführt, aber dennoch sind die Kunstwerke der Burg noch heute nicht ohne Belang, obwohl sogar noch unter Joseph II. im Jahre 1782 bei einer vorschnellen Versteigerung alter Ueberreste der rudolfinischen Kunstkammer viele werthvolle Stücke, z. B. der unvergleichliche Torso des Ilioneus, jetzt eine Hauptzierde der Münchener Glyptothek, für ein Spottgeld verschleudert worden.
Seit dem denkwürdigen 2. December 1848 bewohnt Ferdinand I. die königliche Burg des Hradschins; am 20. Februar 1855 brach Feuer in den Dachräumen aus und ein beträchtlicher Theil der Dachung des der Stadt zugekehrten Flügels brannte ab.
Unter den neuesten Ausschmückungen der Burg verdient die Restaurirung der Hofkapelle Erwähnung; sie wurde dem böhmischen Historienmaler Wilhelm Kandler übergeben und ward im Laufe der Jahre 1856 bis 1858 beendet.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 143. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/153&oldid=- (Version vom 5.1.2026)