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Schon aus der Ferne verräth sich der militärische wie der kirchliche Charakter der Stadt. Zahlreiche Glockenthürme mit schimmernden Kreuzspitzen schmücken die Kirchen und Klöster. In den Werken auf den Höhen und in der Ebene spiegeln sich die blanken Waffen der Wachtposten, Uebungen und Züge von Truppen, rauschende Märsche der militärischen Musikchöre, Trommelschlag und Hornsignale beleben ununterbrochen das Weichbild.

Die detaschirten Forts bilden eine weite kreisförmige Kette um die Stadt und Festung. Einige derselben gewähren den Anblick schmucker Burgen. Zwischen ihnen erhebt sich noch der wüste Wartthurm, den Jaroslaw von Sternberg zum Gedenken des heldenmüthigen Sieges errichten ließ, welchen er 1241 an der Spitze der Slavenritter über die Mongolen erfocht, und der das westliche Europa vor den schweren Schicksalen bewahrte, die Ungarn, Polen und die Länder der Wolga damals heimgesucht haben. Olmütz ward zum Bollwerk der Civilisation und des Christenthums gegen die Sturmfluth der asiatischen Weltverwüster. Dieser sein Ruhm erlosch in den folgenden Jahrhunderten der Religions- und der Bürgerkriege, die es vielfach zur Beute fremder Eroberer machten. Dagegen hielt es sich tapfer gegen Friedrichs II. Heeresmacht, die nach 14tägiger erfolgloser Beschießung und Berennung der Wälle unverrichteter Sache nach Böhmen wieder abzog.

Olmütz, ursprünglich die Hauptstadt des Landes und die Residenz der mährischen Herzöge und Markgrafen, ist gegenwärtig die Hauptreichsfestung des nördlichen Oesterreich, namentlich in der Vertheidigungslinie gegen Rußland, der Sitz des Fürsterzbischofs, des Metropolitan-Domkapitels, des Festungskommando’s, der militärischen Stellen, der politischen und gerichtlichen Behörden des Olmützer Kreises, der Handels- und Gewerbekammer Mährens, der Landesbibliotheken, einer medicinisch-chirurgischen Lehranstalt, der theologischen Fakultät und des katholischen Seminars, eines Obergymnasiums, einer Oberrealschule, der Artillerieakademie und einer Infanterieschule, sowie mehrer niederen Schulen und Humanitätsanstalten. Die Stadt zählt mit der gewöhnlichen Besatzung 15,000 Einwohner.

Der Oberring, mit dem Kauf- und Stadthaus, von dessen wunderbar künstlicher Thurmuhr die Sage geht, daß ihr Meister (1422) sie mit Hülfe des Teufels vollendet habe und für solchen Frevel des Augenlichts beraubt worden sei, ist der belebteste Platz der Stadt.