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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Es gibt Zeiten, in denen der Forscher in den Räumen des Himmels uns als der beneidenswertheste Mann erscheint. Sein Blick, seine Gedanken, sein ganzes Streben sind nach den gestirnten Höhen gerichtet und die Erde dient nur als Schemel seinen Füßen. Was kümmern ihn der ewige Kampf und Hader um dieser Erde Güter, was das Glück und Wehe ihrer Geschöpfe? Sein Beruf versetzt ihn nach jenen unendlichen Gebieten, in denen eine Welt nur einem Atom gleich gilt und ein Weltenleben nur einem Pendelschlag an der Uhr der Ewigkeit.
Eine solche Zeit ist die unsere. Auf ihrem wichtigsten Gebiete, dem des Staats- und des Völkerlebens, begegnen uns die betrübendsten Erscheinungen. Wir sehen den besten Theil der Thatkraft der Gegenwart von den Kämpfen des Widerspruchs aufgezehrt, welcher zwischen der natürlichenBestimmung und der künstlichen Behandlung der Nationen besteht. Die regierende Weisheit vieler Staaten will noch immer nicht in den Völkern organische Gebilde der Schöpfung erkennen, die in ihrem Geiste den Keim ihres Schicksals empfangen haben, sondern nimmt sie für größere und kleinere Zahlengruppen und behandelt sie wie ein Rechenexempel. Man addirt und subtrahirt Menschen und Güter, dividirt die unbeholfenen Massen und decimirt sie, wenn sie sich zu „üppig“ bezeigen. Nicht in der Pflege der beglückenden Kultur wetteifern die Gewaltigen, sondern der möglichst große Besitz von Mordwaffen und Vernichtungsmitteln ist die erste Sorge ihrer Macht. Seitdem das Unheil der stehenden Heere auf Europa lastet und die Konskription jedem Ehrgeize das Recht gibt, das Blut von Tausenden und das Glück von Millionen seinen Zwecken zu opfern, hat der Fleiß keine Bürgschaft mehr für die Sicherheit seiner Früchte, hat das Menschenleben dem Staate gegenüber seinen Werth verloren, hat die alte Faustrechtslehre „Si vis pacem, parabellum“ sich in die Zauberformel verwandelt, für die der Lehrling das Lösewort nicht wieder findet. Unter der Wucht der Harnische stockt das Blut der Staatskörper, die meisten sind schon lange krank und die mitsiechenden Völker harren vergeblich des Arztes. Und kommt dieser endlich, so ist’s abermals jener harte, unerbittliche Mann, der mit Feuer und Eisen heilt.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/160&oldid=- (Version vom 6.1.2026)