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Sie ist ein Platz rastloser Arbeit, unermüdlicher Spekulation, unersättlichen Erwerbsdurstes: sie ist mehr eine nordamerikanische, als eine europäische Stadt. „Verdienst, Geld, Reichthum!“ – das ist derRuf ihres innersten Dranges. Die Stadt wächst, wie keine zweite des Festlandes, nach allen Seiten hin; Berge werden abgetragen, Meerestiefen ausgefüllt, Gärten in Palastreihen verwandelt, und über den Rücken des Berges greifen bereits die Straßenarme nach der andern Seite, nach St. Andreä und Servola, hinüber, wo bei dem neuen Arsenale des Lloyd ein neuer Hafen Triest’s entsteht und Fabriken und Arbeiterhäuser wie aus dem Boden wachsen.

Nordamerikanisch erschien Triest bis in die neueste Zeit auch in seinem Verhältniß zur Kunst. Wie üppig der Reichthum auch das Leben seiner Stände einzurichten erlaubte, wie sehr man in diesen Kreisen von Gold strotzte und jeder verschwenderischen Pracht huldigte, so war doch die Kunst hier nur Magd geblieben, ja, sie wird noch lange nicht allgemein als Herrin walten dürfen. Am anschaulichsten zeigt dies die Baukunst. Aus älterer Zeit besitzt die Stadt nichts der Schönheit wegen Anschauenswerthes. Von den Kirchen hat keine einzige architektonischen Werth. Von weltlichen Gebäuden zeichnen sich nur die Bauten vom Anfang dieses Jahrhunderts an theilweise durch das Bestreben aus, den Kasernenstyl zu verlassen und dem Geschmack eine Freude zu gönnen. Aber selbst die Mehrzahl dieser Bauten ist nur mehr oder weniger gelungene Uebertragung aus dem Venetianischen in das Triestinische. Wenn wir in Venedig in einem solchen altergebräunten Marmorpalast zwischen der grünen Fluth und dem blauen Himmel ein rein ursprüngliches Gedicht erkennen, ein ewigfrisches Volkslied, das erfreut, erwärmt, erhebt und fesselt, stehen wir in Triest am häufigsten vor regelrechter Kunstpoesie; es ist Alles richtig, Nichts unschön, aber der schöpferische Gehalt fehlt, und wenn diese Paläste und Privatgebäude sich nicht bloß durch kalte symmetrische Verhältnisse auszeichnen, wenn sie auch Geist in der Anordnung verrathen, so vermissen wir doch an den meisten dieser anspruchsvollen Werke die innere Weihe, welche nur das poetisch schaffende Gemüth verleiht.

Als Ausnahmen mögen unter den neuesten Bauten gelten: der Palast Revoltella, nach Hitzig’s Plan vom Triestiner Ingenieur Sforzi ausgeführt, von Bosa (aus Venedig) und Magni (aus Mailand) mit Prachtwerken der Skulptur geschmückt und auch wegen trefflicher Wand- und Deckenmalereien und Gemälden guter Meister sehenswerth; Magni’s Gruppe der Wasserquellen von Santa Croce verdient allein einen Besuch dieses Hauses. Ferner das großartige Tergesteum, 1840 mit einem Aufwand von mehr als zwei Millionen Zwanzigern gebaut und hauptsächlich für die Anstalten und Bureaux des Lloyd benutzt. Der mit Glastafeln gedeckte Kreuzgang theilt das mächtige Gebäude im Innern in vier Paläste und ist der Platz, welchen Aktionäre und Börsenmänner für ihre Geschäfte den Räumen der Börse längst vorgezogen haben. Eine neue Sehenswürdigkeit ist auch das Theater Armonia, 1857 von A. Scala gebaut, mit einer Façade in lombardischem Style und besonders beachtenswerthen Karyatiden von