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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Von den großen Privatunternehmungen der Triester Industrie verdienen als die hervorragendsten genannt zu werden: die großen Dampfmühlen zu San Giovanni und Triest, in welchen zusammen 250 Arbeiter jährlich 250,000 Star Korn vermahlen und ungefähr 280,000 Ctr. Mehl und Kleie liefern; – die Seifensiederei Chiozza (nach ihrem Gründer so benannt), mit 20 Kesseln zum Sieden, 34 Laugeküfen, 14 Betten zum Trocknen der Seife und den entsprechenden Bottichen und Kübeln, welche zusammen über 20,000 Ornen Oel stoßen; – Jacob’s Weinsteinrahm-Fabrik, die in Jahren, wo der Rohstoff beschafft werden kann, bis 3500 Ctr. Weinsteinrahm (meist zur Ausfuhr nach England und Amerika) erzeugt; – die „Mechanische Monturen-Anstalt“ von Angelo Valerio, in welcher immer 2–300 Arbeiter (¾ weibliche) beschäftigt sind, und von deren zahlreichen Maschinen, bei der höchst sinnigen Anordnung des Ganzen und dem Ineinandergreifen des Einzelnen, jede täglich 20 Paar Beinkleider, 60 Paar Unterziehhosen, 18 Röcke etc. fertig herstellt; – die Chokoladefabrik desselben Valerio, in welcher mit Hülfe einer Dampfmaschine von 6 Pferdekraft, zwei Arbeiter im Stande sind, täglich 600 Pfund Chokolade zu erzeugen; – die Stearinkerzenfabrik von Slocovich-Machlig-Legat, mit 80 Arbeitern; endlich die Fabriken von Franz Goßleth Ritters von Werkstätten, dessen Fabrik chemischer Produkte jährlich 10–20,000 Ctr. Salpeter, 1500–2000 Ctr. zweifach-chromsaures Kali und vortreffliches zweifach-chromsaures Natron liefert, und in dessen Steinröhrenfabrik 12 Arbeiter jährlich 25,000 Linearfuß Röhren von 2–12 Zoll Durchmesser vollenden, von denen beträchtliche Ladungen nach Aegypten gehen.
Diesem Arbeitscharakter der Bevölkerung entspricht das Leben auf den Straßen und öffentlichen Plätzen, zu welchen jedoch noch drei wichtige Beiträge geliefert werden durch den südlichen Himmel, den Seeverkehr und den Fremdenzug der Stadt.
Wie in allen deutschen Städten ist auch in Triest der Marktplatz das Herz der Stadt, von und nach welchem alles Leben aus- und einströmt. Dort hat es sogar naturgemäß seine zwei Kammern, den Börsenplatz und den sogenannten großen Platz (Piazza grande). Das erste Leben des Tags strömt ihm aber von Außen zu. Mit dem ersten Morgenstrahl regt es sich auf den Bergen. Da steigen die Landleute des Gebiets, die Mandrianen in ihrer bunten, reinlichen, malerischen Tracht, und die armen Tschitschen in ihren dunkelen, traurigen Gewändern die Heerstraßen und die steilen Pfade zwischen den grünen Campagnen herab, jene Milch und Gemüse, Obst und Blumen meist in zierlichen Körben und Gefäßen auf dem Kopf tragend, diese mit schwer belasteten Eseln Brod oder Kohlen zum Verkaufe bringend. Dann öffnen sich Thüren und Fensterläden in der Stadt, Schaaren von Arbeitern aller Art sammeln sich an den Straßenecken oder nehmen vor den Kaffeehäusern ihr Frühstück ein. Da kommt der alte Kohlenmann, dessen „carbuni!“ im hohen Ton beginnend in die Tiefe sinkt und in einem wahrhaften
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 157. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/167&oldid=- (Version vom 6.1.2026)