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Wehegeheul verhallt. Nun rennt es durch die Straßen nach den Werkstätten und Fabriken, Kaufläden und Comptoirs. Darauf wird es wieder stiller und in den Seitenstraßen sogar einsam. Desto mächtiger schwillt von Minute zu Minute der Strom der Hauptader, des Corso, an und der Straßen nach Bahnhof und Hafen. Die Läden legen ihre lockendste Pracht aus, das Rasseln der Fiaker mehrt sich, der tägliche Jahrmarkt beginnt und je näher dem Mittag, um so bunter ist auf dem Corso die Maskerade der Kostüme des Abend- und des Morgenlandes. Da watschelt der dicke Türke aus der Börse; du kannst im schlauen Gesicht seinen Lieblingsgedanken lesen: Glaubt ihr meinetwegen, ich sei ein Schelm, das genirt mich nicht, ich hab’s doch im Sack! Französische Matrosen jagen an ihm vorüber der schlanken Griechin nach, deren Schönheit alle bezaubert, und die alte Negerin im grellen Putz lacht dazu, daß die weißen Zähne blinken. Was kümmert das den langen Engländer, der nach dem Orangenhausen rennt und den Strauß verschmäht, den ihm das niedliche Blumenmädchen reicht! Er durchbricht eine Gruppe von Juden und Persern und verschwindet hinter den Reihen ungarischer Weißröcke, die zur Parade marschiren. Deutsche Handwerksbursche gaffen umher, und vor den Schaufenstern der Münster’schen Buchhandlung im Tergesteum lachen dänische Matrosen über die ausgehängten „Preußischen Marinebilder“, zu denen die Flotte fehlt. Das Menschenwogen auf und ab bietet besonders an Kreuzstraßen und Durchgängen ein Schauspiel, dem man sich Stunden lang überlassen kann, und immer neu ist die Abwechselung der Gestalten und Trachten und der in den Gesichtszügen signalisirten Lebenszwecke der einzelnen Erdenwaller. Dort schreiten stattliche Albanesen durch die Menge, hier stramme Frauen des Gebirgs, dort zerbrechliche Puppen der Stadt, Griechen in ihren häßlichen Sackhosen, das unvermeidliche Pfeifenrohr in der Hand, noch närrischer anzuschauen, wenn ein fränkischer Frack die klaffenden Flügel über die Pumphosen breitet, oder statt des Feß ein Cylinder den bunten Mann bedeckt. – Gar eng ist die Straßenpforte, welche Börsenplatz und Corso mit der Piazza grande verbindet, aber werth ist’s, sich hindurchzudrängen. Dort erquickt uns der Anblick der langen Reihen blühender Blumenmädchen, welche Kränze windend und Sträuße bindend hinter ihren duftenden Vorräthen sitzen; man braucht viel solchen Schmucks zu den Familienfesten der großen Stadt. Die Mitte dieses großen Markts nehmen die Gemüsehändlerinnen ein, hier hohe Haufen leuchtender Südfrüchte, dort lange Reihen von Vogelbauern mit dem zwitschernden Inhalt und noch weiter stehen Papageien und Affen, die verwandten Humoristen des Thierreichs, zum Verkauf aus. „Ride, papagallo!“, und er lacht und findet an dem Seemann einen Herrn, der sich gern auf einsamer Meerfahrt mit dem bunten Schwätzer die Zeit vertreibt. Im Vorbeigehen blicken wir in das Spiegelkaffeehaus (agli specchi) mit seiner glitzernden Pracht und in den kleinen Hafen Mandracchio, in welchem die Nußschalen der Trabacoli sich bergen, wenn draußen auf der Rhede eine Maretta oder gar ein Sturm die Mastspitzen der großen Schiffe an einander schlägt. Das Durcheinander des Waarengewühls rings