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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Man war früher immer geneigt, sich die Sahara als einen einförmigen ungeheuren Sandgürtel zu denken. Man schloß eben von der Beschaffenheit ihres Ost-, Nord- und Westrandes – die Südgrenze kannte man nur auf kleine Strecken hin – auf das Innere. Allein die Reisenden der Neuzeit, vor allen Anderen Barth und Vogel, haben uns hinlänglich nachgewiesen, daß das große Meer des Sandes von einer großen Unterschiedenheit des Bodens und der Formation und nie geahnter Mannichfaltigkeit der örtlichen Erscheinung ist. Namentlich sind es die Inseln des Sandmeeres, die freundlichen Ruhepunkte für das dort umhertreibende Leben, die unter sich gar mannichfache Verschiedenheit bieten.
Im Osten und Norden, jenen Strichen, in denen es niemals oder nur höchst selten regnet, ist zur Bildung einer Oase eine Einsenkung des Bodens unerläßliche Bedingung, und das Wasser muß mühselig dem Schooße der Erde abgerungen werden, um eine solche Mulde nothdürftig zu begrünen; im Süden ist es anders, hier sind die Gebirge die bebaubaren Strecken der Wüste.
Ein solches Gebirgsland ist Ahir oder Aßben. Es liegt hart an der Südgrenze, „der Unermeßlichen“, wie der Araber seine Wüste nennt, in einer durchschnittlichen Höhe von 1800′ über dem Meere, umgeben und durchzogen von Gebirgen, welche bis zu 5000 Fuß und höher noch aufsteigen. Das belebende Wasser sendet während der Regenzeit bis zu ihnen seine regenschwangeren Wolken – und hat damit dem Sande sein Recht, der Wüste ihre Macht genommen. Ringsum eingefaßt von der Wüste, liegt es da wie ein blühender Garten, wie ein fruchtbares Paradies inmitten des todten Sandmeeres. Durch das Wasser hat es einen Frühling gewonnen, während die Wüste nur einen einzigen, aber gluthheißen Winter hat; durch den Himmelssegen ist es belebt und geschmückt worden.
Der vom Norden her einwandernde Reisende betritt das Gebirgsland durch einen schmalen Paß, welcher für diese Gegenden als eine Pforte des Sudan angesehen wird, und gelangt, auf rauhen, unebenen Wegen weiter ziehend, allgemach in immer freundlichere, lebendigere Gegenden. Die starre Oede der Wüste verschwindet, die Landschaft wird malerisch. Herrlich geformte, im vollen Licht der Sonne schwelgende Berge umsäumen die Thäler;
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 171. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/181&oldid=- (Version vom 6.1.2026)