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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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anmuthig gelegene, aus ächt innerafrikanischen Strohhütten erbauete Dörfer, unter künstlicher Bewässerung frischgrünende Felder und reicher Pflanzenwuchs beleben sie. Jedes einzelne Thal scheint das andere an Schönheit überbieten oder mit ihm wetteifern zu wollen, sei es nun durch die scharf geschnittenen, wechselvollen Bergesgipfel, oder den Reichthum an Pflanzen und Thieren, oder aber durch seinen merkwürdig verschlungenen Lauf, welcher dem ihm folgenden Wanderer zauberisch ein Prachtbild nach dem andern aufrollt.
Aßben ist gleichsam als eine Einleitung zu den Tropen mit all ihrer Fülle und ihrem Reichthum anzusehen. Die Mimosen haben ihr kärgliches Ansehn verloren und die ihnen nur in den Tropen eigene üppige Ausbildung erlangt; ihre gewaltigen Kronen blühen golden und duften balsamisch, hierdurch einer ganzen Welt von Geschöpfen Leben und Unterhalt gewährend. Die Tompalme bildet kleine Wälder; die Dattelpalme erhebt hoch über die übrigen Pflanzen ihr königlich Haupt. Saftig grüne Capparissträucher, fußhohe Grasarten bedecken den Boden; um die Wipfel weben und wirken die märchenhaften Schlingpflanzen ihre Blüthengewinde und Netze, an den Stämmen und auf den Gipfeln wuchern Schmarotzerpflanzen. Hier und da vereinigen sich solche Pflanzengruppen zum Haine, an einigen Orten sogar zum Wäldchen.
Eine reichhaltige Thierwelt hat sich in und zwischen ihnen angesiedelt. In dem Gezweig der Bäume und dem Geklüft der Felsen treiben die ernst-munteren Affen boshaft neckisch ihr wechselvolles Spiel und rauben und plündern in der unverschämtesten Weise mit einem Bewußtsein, als wären sie Herren der Schöpfung; zwischen Gras und Gebüsch versteckt lauert der überaus zierliche, großohrige Wüstenfuchs auf seine Beute; auf freieren Grasflächen begegnet man der schnellfüßigen Gazelle und Schaaren verschieden gearteter Antilopen; in den Gebirgsschluchten wohl auch dem merkwürdigen Klippschliefer, der Zwerg aus der Familie der Riesen, Elephanten und Nashorn. Zur Nachtzeit vernimmt man nicht selten das donnernde Gebrüll des mähnenlosen Löwen; der gelenkige, buntfleckige Leopard, der Schrecken aller Sudanesen, umschleicht dann die Hütte des Eingebornen; Hyänen und Schakale heulen ihre Nachtlieder. Das Volk der Vögel ist in noch bunterer und reicherer Menge zu finden. Auf den höheren Felsenzinnen und in den größeren Wäldern hausen Adler und Edelfalken; um die Hütten fliegen wieder die Schwalben, wie im Fruchtlande; auf den höheren Zweigen sonnen sich die buntfarbigen, sanften und fröhlichen Bienenfresser, und spähen und lauern auf vorüberziehende Kerfe; prächtige Ammern und Finken, Wittwen und Kernbeißer zwitschern lustig in den Baumwipfeln; Turtel- und Lachtauben girren und rucksen an denselben Orten; Wiedehöpfe stolziren ernsthaft auf dem Boden umher; zahlreiche Ketten von Perlhühnern huschen durch Gras und Gestrüpp, und große Flüge von Wüstenhühnern finden sich in den steppenartigen, breiteren Thälern. Mit dem Dunkelwerden vernimmt man das katzenähnliche Geheul der Eulen und das gemüthliche Spinnen der Ziegenmelker, – auch dann noch ist Leben. Selbst die
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 174. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/184&oldid=- (Version vom 6.1.2026)