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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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niedere Thierwelt steht diesem Reichthume an Organismen, dieser Fülle und Ueppigkeit nicht nach, welche Aßben zu einem gar anmuthigen Stück Land in der Wüste machen.
Seine tropische Natur zeigt sich namentlich während der Regenzeit, welche hier ganz auffallende Erscheinungen im Gefolge hat. Die Regengüsse des Frühlings – denn nur mit diesem kann die Regenzeit verglichen werden – sind überall in den Tropen so heftig, daß sie an Orten, wo ihr Wasser zusammengedrängt wird, also namentlich in Gebirgsthälern, die furchtbarsten Ueberschwemmungen nach sich ziehen müssen. Dr. Barth beschreibt eine solche durch mehrstündige Regengüsse hervorgerufene Ueberschwemmung mit folgenden Worten:
„Es war etwa vier Uhr Nachmittags, als in unserem Lager, welches in einem fast 2000 Schritte breiten Thale aufgeschlagen war, der Ruf vernommen wurde: „die Fluth kommt!“ Eine breite, mit weißem Schaum bedeckte Wassermasse wälzte sich von Süden her zwischen den Bäumen das Thal entlang. Binnen kurzer Zeit war dieses in ein Flußbett und unser Lagerplatz in eine Insel verwandelt. Anfänglich, fast ausgedorrt von Hitze und Dürre, betrachteten wir dies außerordentliche Schauspiel mit einer fast kindischen Freude; allein bei Zeiten mußte ich an Vorsichtsmaßregeln mahnen: denn es begann einen drohenden Charakter anzunehmen. Am folgenden Tage zeigte derselbe Strom ein großartiges Bild der Zerstörung, wohl geeignet, uns in lebhafter Weise die Sündfluth zu vergegenwärtigen.
„Während der Nacht und am folgenden Morgen ergoß sich der Regen ununterbrochen in Strömen. Das Wasser im Thale schwoll immer höher und drohte den Schwellpunkt des Thalbodens, wo wir unseren Lagerplaz gewählt hatten, zu überfluthen. Unsere Leute machten nun spät einige kindische Versuche, uns durch einen Damm oder Deich zu schützen. Es ward endlich nothwendig, unseren Lagerplatz zu verlassen und einen höher gelegenen Punkt aufzusuchen. Die Kamele waren schon vom Strom fortgerissen und konnten sich nur mit Noth an größeren Baummassen halten, die daraus hervorragten. Doch das Wasser stieg immer höher und schäumte zuletzt über den Rand der Insel, ihn stets mehr und mehr unterwühlend; der Strom führte losgerissene Bäume mit sich fort; theils einzeln, theils in floßartigen Verbindungen wurden sie an uns vorübergetrieben, während wir von unserem Halt aus das wunderbare Schauspiel anschauten. Schritt für Schritt mußten wir nach dem höheren Mittelpunkt dieser kleinen Zufluchtsstätte zurückweichen. Endlich blieb kaum noch Platz für unsere ganze Gesellschaft übrig, und wir konnten schon berechnen, wie wenig Zoll das Wasser noch zu steigen brauche, um unser ganzes Gepäck zu zerstören und unser Leben selbst zu gefährden.
„Da erreichte zu glücklicher Stunde die Ueberschwemmung ihre Höhe; wenigstens schwoll das Wasser nicht weiter an, und die Fluth hielt sich für einige Zeit auf gleichem Standpunkte. – Später sahen wir an verschiedenen Stellen die Ruinen von Häusern, die von den Fluthen zerstört worden waren.“
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 175. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/185&oldid=- (Version vom 7.1.2026)