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Aehnliche Regengüsse und Ueberschwemmungen sind in Aßben während der, regelmäßig Anfangs September eintretenden, Regenzeit nicht selten. Der furchtbare Aufruhr der Natur bei tropischen Gewittern zeigt sich schon hier in seiner vollen Stärke und Majestät, während in den Nilländern unter gleicher Breite kaum noch an Regen gedacht wird. Die wüthendsten Orkane pflegen dem Regen voraus zu gehen; sie kommen, wie in den oberen Nilländern, aus Südwesten. Gewitter, mit jenem ohne Unterbrechung rollenden, unbeschreiblichen Donner und kaum unterbrochenen Blitzen, mit jenem namenlosen Brausen, Pfeifen, Rauschen und Tosen, wie ich solche so oft im östlichen Sudan durchlebte, scheinen jedoch seltner zu sein. Aber wie hier, sind auch in Aßben die Regen die Erwecker des durch die Gluth der Zeit der Dürre eingeschläferten Lebens. Mit jedem Tage macht dann das Wachsthum der Pflanzen reißende Fortschritte, und schon nach wenig Wochen ist das ganze Land ein einziges blühendes, wirkliches Paradies, in welchem Thiere und Menschen aufleben in höchster Fülle der Lust. –

Die Bewohner dieses glücklichen Gebirgsländchens gehören zu dem großen Volke, welches wir Berber nennen, und zu dem Stamme der Kelowi. Diese sollen um das Jahr 1740 vom Südwesten her hereingebrochen sein und das Land mit Waffengewalt erobert haben. Ihr Name bedeutet „Angesessene“ – im Gegensatze zu den frei herumschweifenden Beduinen und andern Nomaden oder den Tibbos, den rast- und ruhelosen, leicht beweglichen „Vögeln der Wüste.“ Sie leben auch wirklich in feststehenden Strohhütten, – nicht in willkürlich bald hier, bald dort aufgeschlagenen Zelten oder jenen zierlichen Hütten aus Matten, welche die Tagama des Westens oder die schönen, leichtfertigen Hassanie als Wohnungen benutzen.

Bei ihrer Eroberung rotteten die Kelowi die ursprüngliche Negerbevölkerung des Landes nicht aus, sondern vermischten sich mit ihnen. Wie bei den griechischen Ansiedlern in Lycien, wurden jedoch bloß die eingebornen Frauen eines solchen Vorrechtes theilhaftig, die eingebornen Männer aber unterdrückt und nach und nach beschränkt leibeigen, da ihre Kinder wenigstens nicht außer Landes verkauft werden dürfen. Die Kelowi haben in Folge ihrer wiederholten Verbindungen mit dem weiblichen Theile der früheren Bevölkerung verloren und gewonnen. Ihre schöne, hohe und edle Gestalt, das scharf geschnittene Gesicht und ihre lichte Hautfarbe büßten sie nach und nach ein; dafür aber nahmen sie den leichten, kindlich fröhlichen Sinn der Innerafrikaner an. Sie sind heut zu Tage als Mischlinge anzusehen, sowohl körperlich, als geistig. Die Strenge der Sitten ihrer Stammesgenossen ist einer fast allzuleichten, ächt innerafrikanischen Lebensanschauung gewichen und Leichtfertigkeit in jeder Hinsicht ihr allgemeines Besitzthum geworden.

Heut zu Tage noch herrschen eigenthümliche Gebräuche in Folge dieser früheren Bevorzugung der eingebornen Frauen. Der Kelowi, welcher heirathet, nimmt seine Frau nicht mit sich in sein Heimathsdorf, sondern