Seite:Meyers Universum 20. Band 1859.djvu/188

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

mit den Genannten auch die übrigen Häuptlinge zu gemeinschaftlichen Kriegszügen; gewöhnlich handelt jeder Einzelne nach eigenem Ermessen, ohne sich viel um den Sultan zu kümmern. Alle Häuptlinge zusammenmögen 8–10,000 Krieger in’s Feld führen können: diese Zahl dürfte aber alle waffenfähigen Männer Aßbens in sich begreifen.

Das Ländchen könnte, würden seine Thäler sorgfältiger angebaut, weit dichter bevölkert sein, als gegenwärtig, wo der größte Theil aller Bedürfnisse der Bevölkerung eingeführt werden muß. Der schwunghaft betriebene Salzhandel mit Bilma, welcher Tausende von Kamelen beschäftigt und ganze Länder Innerafrika’s mit dem hier ungemein hoch geschätzten Erzeugnisse der Wüste versorgt, gibt den Einwohnern Aßbens die Mittel zum Tausche. –

Tintellust ist ein kleines Dorf, welches nur aus wenigen Strohhütten besteht. Sie haben im Allgemeinen die Gestalt und Einrichtungen der Wohnungen, welche man im ganzen Innern Afrika’s findet. Auf einer runden Wand aus Pfählen und Querstangen, welche mit Steppengras oder Durrahstroh bekleidet ist, erhebt sich das rundliche oder kegelförmige, sehr dichte Strohdach, welches besonders gefertigt und von einigen Männern auf die es tragende kreisrunde Wand gesetzt wird. Diese Hütten sind den Verhältnissen der Binnenländer Afrika’s durchaus angemessen. Zwar jagt der Wind Staub und Sand nach Belieben durch die Wände und die einzige Oeffnung, die Thüre, in’s Innere, aber er kühlt dasselbe auch wiederum und verwehrt die Bildung jener ungesunden, dumpfen Luft, wie man sie in Lehmhäusern während der Regenzeit regelmäßig findet; das Dach hält den Regen trefflich ab, während die Lehmhütten von demselben nicht bloß durchweicht, sondern sogar eingerissen werden; die im Vergleich zu letzteren Wohnungen immer noch lichten Wohnungen werden weniger von Schlangen, Skorpionen und Termiten aufgesucht: kurz, die Strohhütten sind entschieden zweckdienlicher, als die Lehmhäuser.

Von fern kann man ein Strohhüttendorf freilich kaum von dem Grase der Steppe unterscheiden: in der Nähe gesehen, nimmt es sich ganz stattlich aus. Die Einzelheiten treten dann deutlich hervor und verleihen dem Gesammtbilde einen eigenen Reiz. In den Tropenländern bewahrt sich das freundliche Völkchen der Flechten und Moose sein altes Recht, selbst solchem dürftigen Gebäude seinen Schmuck aufzulegen; oder aber Schlingpflanzen umranken und umschoonen die einzelnen Hütten. Dann wird es, wie Schreiber aus Erfahrung versichern kann, selbst dem Nordländer ganz heimlich zu Muthe; und er lernt sich auch in solchem Dorfe behaglich fühlen.

Bei Tage geht es still in und zwischen den Hütten her, das eigentliche Leben erwacht erst mit der Nacht. Die ewig lauten Hunde, welche behend auf den Dächern herumklettern, liegen während der Hitze im Schatten;