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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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neue Steine, überall reine und frische Farben! – Dieser Alles ergreifende Restaurationsprozeß wandert von der Rue Rivoli nach dem Boulevard, und weiter nach dem Faubourg, von einem Stadttheil zum andern, bald da-, bald dorthin, unbekümmert um Tages- oder Jahreszeit. Das Knarren der Krahnen, das Rasseln der Fuhrwerke und das Behauen der Steine läßt sich Tag und Nacht hören; es leuchtet dazu ein elektrisches Licht, das an Helle der Sonne den Rang streitig macht.
Wir kommen, der Rue Rivoli entlang, zum Palast des Louvre. Um nicht die lange Geschichte von der Entstehung dieses König- und Kaiserpalastes noch einmal zu erzählen, knüpfen wir an den dahin gehörigen Artikel über das alte Louvre, in,Bd. 9, S. 129 des Universums, an. Die Verbindung der Tuilerien mit dem Louvre, welche ein Ensemble von Palästen bildet, großartiger und ausgedehnter, als die Geschichtsschreiber von den Herrscherpalästen in Rom, Niniveh oder Palmyra berichten, ist eine erst Napoleon III. eigen gewesene Idee, und, was mehr ist, sein jetzt in schönster Vollendung ausgeführtes Werk.
Die Schwierigkeiten einer solchen Kombination der zwei prachtvollsten Bauten in Paris, die unabhängig von einander errichtet waren, schienen unübersteiglich; Hunderte von Plänen wurden vorgelegt und verworfen, bis es dem Genie von Visconti gelang, eine so glückliche Verbindung zu kombiniren, daß sämmtliche Fronten, Flügel und innere Räume, die Pavillons, Treppen und Thore zu einem so symmetrischen Ganzen sich vereinigen, daß die ursprünglichen nicht zusammenstimmenden Anlagen als nothwendige und planmäßige Theile des Ganzen erscheinen. Kurz nach Vollendung des Planes starb Visconti, und überließ die Ausführung des Werks seinem Freunde Lefuel. Unter dessen kunstgeübter Hand erhob sich mit zauberhafter Schnelligkeit, wie in einem orientalischen Märchen, der riesige Bau. Eine Façade reihte sich an die andere, die zierlich durchbrochenen Balkone und Ballustraden wuchsen aus den Mauern, die geschmackvollen Fensterbögen wölbten sich, die Pilaster und Kapitäler bildeten sich im schönsten Ebenmaß, die luftigen Arkaden und prunkvollen Säulengänge erhoben sich, die monumentalen Treppen stiegen empor, die reichen Ornamente blühten allenthalben hervor, die steinernen Trophäen gruppirten sich in ihren Nischen, die stolzen Karyatiden nahmen ihre Standpunkte ein, um ihre Bürde zu empfangen, die kunstvollen Eisengitter spannen sich um die grünen Plätze, welche die Höfe schmücken, und die Kaiserstatuen von Franz I., Ludwig XIV. und Napoleon I. stellten sich auf ihren Postamenten auf. Alles dies war das Werk weniger Jahre, eines unbemessenen Aufwandes von Geld und Arbeit und eines beispiellosen, Tag und Nacht, Sommer und Winter ausdauernden Fleißes. Schöpfungen von verwandtem Maße haben früher die Kräfte und Lebensalter ganzer Dynastien gekostet; zu dieser waren nur die wenigen Regierungsjahre und die Willensstärke eines Napoleon III. nöthig.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/19&oldid=- (Version vom 2.1.2026)