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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Der gefürchtetste und unerbittlichste Feind sollte jedoch Italien und den Lombarden insbesondere erst zwei Jahrhunderte später erstehen: in Friedrich Barbarossa.
Die Städte Oberitaliens hatten sich, wie die deutschen Reichsstädte, zu hoher Blüthe emporgeschwungen durch Gewerbfleiß und kluge Benutzung der Kreuzzüge und der damaligen Welthandelsstraße, die zwischen Abendland und Morgenland an ihnen vorüberlief und von ihnen beherrscht wurde. Der Wohlstand erhöhte das nationale Streben nach Unabhängigkeit, und da der kriegerische Adel des Landes sich den Städten anschloß, so waren diese allerdings in den Besitz einer Macht gekommen, die den Fremden gegenüber auf das Recht der Selbstständigkeit pochte. Nicht weniger mächtig pochte der Kaiser auf sein Recht, von dem er eben so innig und fest überzeugt war, wie die Städte von dem ihren, nachdem er, den Gesetzen und Verträgen getreu, die römische Kaiserkrone auf dem Haupte trug. So richteten denn damals die Lombarden wie der Kaiser mit derselben Inbrunst dasselbe Gebet zum Himmel, ganz wie siebenhundert Jahre später die Nachkommen derselben feindlichen Mächte, die Erben derselben Zwietracht, und wie der Lombarden verhaßtester Feind der Kaiser, so war des Kaisers verhaßtester Feind – Mailand, der Lombarden prächtige Hauptstadt.
Der dritte Zug des Kaisers über die Alpen hatte unglücklich für ihn geendet. Zwar hatte er in dem damaligen Kampf zweier Päpste den Sieg errungen, seinen Schützling, Paschalis III., gegen Alexander III. behauptet und auf den Stuhl Petri gesetzt, und er stand eben bereit, sein siegreiches Heer gegen den Bund der lombardischen Städte zu führen, – da brach die Pest in seinen Schaaren aus und raffte Tausende, dazu die besten seiner Kriegshauptleute, dahin. Allenthalben gewann die Empörung neuen Muth, je mehr die Streitmacht des Kaisers zusammenschwand. Der Kaiser mußte sich zur Heimkehr wenden. In Pisa seinen Handschuh in die Luft schleudernd, erklärte er die Lombardenstädte in des Reiches Acht, erreichte mit dem Rest seines Heeres die Schluchten der Alpen und entkam fliehend den nachdringenden Feinden auf den deutschen Boden. Ein Siegesjubel erfüllte das ganze lombardische Land, und in der zu jedem Opfer fähigen Begeisterung ward der Grund zu der Veste gelegt, die ein Bollwerk der Freiheit sein und darum den Namen jenes Alexander III. führen sollte, der des Volkes Stern gewesen war in der finstersten Nacht seines Schicksals.
So entstand die Festung Alessandria im Jahre 1168, und sie zeigte sich schon bei der nächsten Gefahr ihres Ursprungs würdig. Im Jahre 1174 stieg Friedrich Barbarossa zum vierten Male mit einem mächtigen Heere über die Alpen. Diese Züge waren damals an sich schon Wagestücke, welche die Kühnheit und die Ausdauer der Männer auf’s Aeußerste in Anspruch nahmen, denn nicht auf den sicheren Alpenstraßen von heute bewältigten sie die Granitmauern des Hochgebirgs, sondern auf schmalen Saumpfaden mußten wie eine lange gepanzerte Schlange die Tausende an den Abgründen dahin kriechen, bedroht von allen Schrecken der eisumstarrten
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 188. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/198&oldid=- (Version vom 7.1.2026)